Autor:  Prof. Dr. Klemens Budde - Datum: 21.08.2017

Langzeitrisiko von Lebendnierenspendern

Long-term risks of kidney living donation: review and position paper by the ERA-EDTA DESCARTES working group. Maggiore U, Budde K, Heemann U, Hilbrands L, Oberbauer R, Oniscu GC, Pascual J, Schwartz Sorensen S, Viklicky O, Abramowicz D, for the ERA-EDTA DESCARTES working group. Nephrol Dial Transplant 2017; 32:216-223.

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Bedenken zur Langzeitsicherheit nach einer Lebendnierenspende

Bis vor kurzem ging man davon aus, dass das Risiko einer terminalen Niereninsuffizienz oder das Sterberisiko von Lebendnierenspendern genauso groß oder sogar geringer ist als in der Normalbevölkerung. Allerdings gehören Lebendnierenspender zur Gruppe der gesündesten Bevölkerung. Zwei 2014 veröffentlichte, gematchte Kohortenstudien aus den USA und Norwegen, die das Langzeitrisiko von Lebendnierenspendern mit vergleichbaren gesunden Kontrollpersonen verglichen, haben nun einige Bedenken hinsichtlich der Langzeitsicherheit nach einer Nierenlebendspende aufkommen lassen. Um einer Verunsicherung bei Patienten und Ärzten zu begegnen und die Studienergebnisse besser in den Kontext der Entscheidungsfindung bei einer potentiellen Lebendspende einzuordnen hat die ERA-EDTA DESCARTES Arbeitsgruppe die Studienlage zum Langzeitrisiko von Lebendnierenspendern zusammengefasst (1).

In dem Review nehmen die Mitglieder des Developing Education Science and Care for Renal Transplantation in European States (DESCARTES)-Boards nicht nur Bezug auf die aktuelle Literatur, sondern beziehen in dem Positionspapier auch dezidiert zur Bewertung des Langzeitrisikos von Lebendnierenspendern Stellung. Der Artikel soll Ärzten bei der Entscheidungsfindung helfen und sie bei der Information und Beratung potenzieller Nierenlebendspender unterstützen (1).

Das Langzeitrisiko einer terminalen Niereninsuffizienz kann aufgrund der vorhandenen Daten anhand von mathematischen Berechnungen teilweise vorhergesehen werden. Es gibt Online-Rechner, die das Lebenszeitrisiko einer terminalen Niereninsuffizienz vorausberechnen. Allerdings ist eine Bestimmung des Lebenszeitrisikos bei jungen Spendern schwieriger als bei älteren Patienten. Zudem ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Verwandte 1. Grades nach einer Nierenspende ein höheres Risiko einer terminalen Niereninsuffizienz aufweisen.

Die norwegische Studie fand auch ein erhöhtes Sterberisiko nach einer Nierenlebendspende, die jedoch erst nach einem Follow-up von mehr als 15 Jahren sichtbar wurde. Möglicherweise überschätzen diese Daten aber das Risiko, da der verzerrende Effekt von Nierenerkrankungen in der Familiengeschichte schwer herauszurechnen ist (1). Zusammenfassend stellt die Gruppe fest, dass Spender ein sehr geringes absolutes Risiko haben, das niedriger ist als in der (nicht so gesunden) Normalbevölkerung, allerdings etwas höher als in einer gleich gesunden Kontrollgruppe.

Die Mitglieder des DESCARTES-Boards betonen die Bedeutung einer optimalen Risiko-Nutzen-Bewertung und einer ausführlichen Aufklärung von potenziellen Spendern, die auch Empfehlungen zum gesundheitsfördernden Verhalten nach der Lebendnierenspende beinhalten sollte (1). Man kann durch Nikotinverzicht, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und rechtzeitige Intervention bei Auftreten eines Hypertonus oder einer Proteinurie das Langzeitrisiko einer schweren Niereninsuffizienz deutlich reduzieren.

Weitere Informationen im kostenlosen Volltext

Hier kann das Positionspapier als kostenloser Volltext nachgelesen werden:
Long-term risks of kidney living donation: review and position paper by the ERA-EDTA DESCARTES working group. Maggiore U, Budde K, Heemann U, Hilbrands L, Oberbauer R, Oniscu GC, Pascual J, Schwartz Sorensen S, Viklicky O, Abramowicz D, for the ERA-EDTA DESCARTES working group. Nephrol Dial Transplant 2017; 32:216-223.

Literatur

  1. Maggiore U, Budde K, Heemann U, et al. Long-term risks of kidney living donation: review and position paper by the ERA-EDTA DESCARTES working group. Nephrol Dial Transplant 2017; 32:216-223.

Autor: Prof. Dr. med. Klemens Budde

Prof. Dr. med. Klemens Budde
Charité - Universitätsmedizin Berlin Campus Mitte
Centrum Innere Medizin mit Gastroenterologie und Nephrologie
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie Berlin

Disclosures

Forschungsgrants und Honorare von Abbvie, Astellas, Alexion, Bristol-Myers Squibb, Chiesi Genentech, Hexal, Novartis, Pfizer, Otsuka, Roche und Veloxis

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