Autor:  Redaktion transplant campus  Datum: 09.05.2019

Herz- und Lungentransplantation von Hepatitis-C-Virus-positiven Spendern

Eine kurze antivirale Therapie heilt eine Hepatitis C nach HCV-positiver Herz- und Lungentransplantation – wie eine Forschergruppe aus Boston im New England Journal of Medicine berichtet. Bei Patienten ohne HCV-Infektion, die eine Herz- oder Lungentransplantation von HCV-infizierten Spendern erhalten, verhinderte eine wenige Stunden nach der Transplantation eingeleitete vierwöchige antivirale Behandlung die Entwicklung einer HCV-Infektion.

Woolley AE, Singh SK, Goldberg HJ, Mallidi HR, Givertz MM, Mehra MR, Coppolino A, Kusztos AE, Johnson ME, Chen K, Haddad EA, Fanikos J, Harrington DP, Camp PC, Baden LR; DONATE HCV Trial Team; the DONATE HCV Trial Team. Heart and Lung Transplants from HCV-Infected Donors to Uninfected Recipients. N Engl J Med 2019; 380:1606-1617. Zum Abstract der Studie

Transplantation HCV-infizierter Herzen und Lungen in HCV-negative Empfänger

Die Zahl der Organtransplantationen in den USA ist in den letzten Jahren zwar etwas angestiegen, dennoch sind die Wartelisten lang. Der Zuwachs beruht vor allem auf der Zunahme von Drogentoten im Rahmen der so genannten Opioidkrise in den Vereinigten Staaten. Viele Organe, die ansonsten gesund und medizinisch für eine Transplantation geeignet sind, wurden jedoch wegen einer Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion des Spenders verworfen.

Die Einführung der Direct-acting antiviral agents (DAA) zur Behandlung der HCV-Infektion eröffnet nun neue Optionen, den Spenderpool zu vergrößern, da sie meist eine Heilung der Hepatitis C nach der Transplantation ermöglicht. Die ersten guten Erfahrungen mit HCV-infizierten Spendern wurden in der Nieren- und Lebertransplantation gemacht. (1)

Nun berichten Woolley et al. vom Brigham and Women's Hospital, Boston, im New England Journal of Medicine über eine Gruppe von 44 HCV-negativen Patienten, von denen acht eine Herztransplantation und 36 eine Lungentransplantation von Spendern mit HCV-Virämie erhielten. (1)

Präemptive antivirale Kurztherapie

Alle Organempfänger wurden präemptiv mit dem DAA-Regime Sofosbuvir-Velpatasvir behandelt, das pangenotypisch wirkt und somit gegen alle HCV-Genotypen aktiv ist. Die kurze, insgesamt nur vier Wochen andauernde Behandlung wurde wenige Stunden nach der Transplantation eingeleitet, um die Virusreplikation zu stoppen. (1)

Die mediane Viruslast der Spender lag bei 890.000 IU/ml (Interquartilbereich 276.000 bis 4,63 Millionen). Die Transplantationen erfolgten unabhängig vom HCV-Genotyp. Die meisten Spender trugen den Genotyp 1 (61 %), gefolgt von den Genotypen 2 und 3 (jeweils 17 %). Bei 5 % war der Genotyp nicht bestimmt worden. (1)

Anfängliche HCV-Virämie verschwindet rasch und dauerhaft

Bei 42 von 44 Empfängern (95%) war unmittelbar nach der Transplantation HCV-RNA im Blut nachweisbar, mit einer medianen Viruslast von 1800 IU/ml (Interquartilbereich 800 bis 6180). Unter der Behandlung verschwand die Viruslast rasch. Ab etwa zwei Wochen nach der Transplantation und auch bei nachfolgenden Untersuchungen konnte bei keinem Patienten mehr HCV-RNA im Blut nachgewiesen werden. Die Autoren vermuten, dass die kurze Behandlungsdauer deshalb erfolgreich war, da die Behandlungssituation vergleichbar war mit einer Post-Expositionsprophylaxe und nicht mit der Behandlung einer etablierten Infektion, bei der in der Regel höhere Viruslasten auftreten und eine längere Behandlungsdauer indiziert ist. (1)

Exzellentes Patienten- und Transplantatüberleben

Von den ersten 35 Patienten, die über 6 Monate nachbeobachtet wurden, waren sechs Monate nach der Transplantation alle Patienten am Leben, mit ausgezeichneter Transplantatfunktion und ohne nachweisbare Viruslast. (1)

Es traten keine schweren behandlungs- oder infektionsbedingten Nebenwirkungen auf. Bei 15 von 16 Patienten, die über zwölf Monate nachbeobachtet wurden, funktionierten die Organe auch ein Jahr nach der Transplantation noch sehr gut. Ein herztransplantierter Patient war acht Monate nach der Transplantation an einer disseminierten bakteriellen Infektion verstorben, die jedoch in keiner Verbindung zur Hepatitis-C-Infektion stand. (1)

Vergleich mit einer Kohorte von HCV-negativen Transplantationen

Die Forscher verglichen außerdem die Daten der HCV-positiven Transplantationen mit denen von 77 HCV-negativen Transplantationen (53 Lungen- und 24 Herztransplantationen), die am selben Zentrum im gleichen Untersuchungszeitraum durchgeführt wurden. In der Kohorte der HCV-infizierten Lungentransplantatempfänger traten zwar mehr Fälle von behandlungsbedürftiger akuter zellulärer Abstoßung auf als bei HCV-negativer Lungentransplantation, der Unterschied war jedoch nach Bereinigung um mögliche Störfaktoren nicht signifikant. (1)

Die Spender in der Untersuchung waren insgesamt jünger als der durchschnittliche Spender-Pool in den USA, wobei die HCV-positiven Spender noch einmal jünger waren als die HCV-negativen Spender. Die Verfügbarkeit von HCV-positiven Organen führte zur Transplantation bei weniger kranken Kandidaten, die auf der Warteliste für die Transplantation eine geringere Priorität hatten. Die beobachtete kürzere Verweildauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus und der relative Erhalt der Nierenfunktion bei HCV-positiven Transplantationen könnten deshalb eher Empfänger- als Spenderfaktoren widerspiegeln, wie Emily A. Blumberg von der University of Pennsylvania, Philadelphia, in einem begleitenden Editorial schreibt. (1, 2)

Vielversprechende Ergebnisse, Langzeitdaten erforderlich

Diese Daten zeigen, dass Herzen und Lungen von Spendern mit Hepatitis-C-Virämie transplantiert werden können, obwohl bei fast allen Empfängern eine Übertragung der HCV-Infektion stattfand, so die Autoren. Die vierwöchige Gabe eines pangenotypisch wirksamen DAA blockierte die laufende HCV-Replikation. Allerdings seien weitere Daten zum langfristigen Outcome nötig. (1)

Auch Blumberg bezeichnet die ersten Ergebnisse – mit einer SVR von 100% und ausgezeichneten Ergebnissen bei Patienten- und Transplantatüberleben – als sehr vielversprechend. Sollten die Erfahrungen von Woolley et al. von anderen Forschern bestätigt werden, würde eine kurze Behandlungsdauer die Kosten der Transplantation zudem erheblich senken. Vor einer breiteren Anwendung von so genannten HCV-Mismatch-Transplantation gebe es allerdings noch viel zu lernen, da die Daten über langfristige Ergebnisse begrenzt sind, beispielsweise zu kardiovaskulären Komplikationen oder zu den Folgen einer Immunaktivierung durch De-novo virale Infektionen. Es sei jedoch an der Zeit, über eine Ausweitung der Anwendung unter kontrollierten Bedingungen nachzudenken, zum Beispiel im Rahmen von größeren Multicenter-Studien. (2)

Autor: Redaktion transplant campus

Redaktion transplant campus

Literatur

  1. Woolley AE et al. Heart and Lung Transplants from HCV-Infected Donors to Uninfected Recipients. N Engl J Med 2019; 380:1606-1617.
  2. Blumberg EA. Organs from Hepatitis C Virus-Positive Donors. N Engl J Med 2019; 380:1666-16170.

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