Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 27.04.2020

DGIM fordert: Mindestmengen-Regelung für Nierentransplantationen aussetzen

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) warnt vor einer drohenden Versorgungslücke nierentransplantierter Patienten als Langzeit-Folge der Covid-19-Pandemie, wenn die Mindestmengen-Regelungen in der Nierentransplantation nicht ausgesetzt werden. Da aufgrund der Corona-Krise Lebendspenden als planbare Eingriffe derzeit häufig verschoben werden, können viele Transplantationszentren die vorgeschriebene Mindestmenge von 25 Nierentransplantationen pro Jahr voraussichtlich nicht einhalten.

Viele Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz warten auf eine Nierentransplantation, die angesichts des Organmangels oft als Lebendspende erfolgt. Von langer Hand geplant, werden aber solche Nierentransplantationen derzeit verschoben, um Klinikkapazitäten für mögliche Covid-19-Patienten freizuhalten und weil insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen. Außerdem kann durch die Dialyse auch schwerkranken Patienten, die kaum mehr über eine Nierenfunktion verfügen, geholfen werden, längere Zeiträume ohne eine Organspende zu überbrücken.

Die Versorgungssituation dieser Patienten wird unter großem Einsatz aufrecht erhalten, könnte aber über die akute Phase der Covid-19-Pandemie hinaus gefährdet sein, wenn Mindestmengen-Regelungen nicht ausgesetzt werden, warnt der Vorsitzende der DGIM Professor Dr. med. Jürgen Floege.

Bedenken hat der Experte mit Blick auf die derzeit noch gültige Mindestmengen-Regelung. Nur wenn 25 Nierentransplantationen pro Jahr an den jeweiligen Kliniken durchgeführt werden, ist die Finanzierung der Nierentransplantations-Zentren auch im kommenden Jahr gesichert. Was eigentlich die Qualität der Klinik durch ausreichend Erfahrung in speziellen Bereichen belegen soll, könnte nun zum Risiko werden. „Die meisten Transplantationszentren laufen derzeit auf Sparflamme. Sollte die Mindestmengen-Regelung konsequent durchgesetzt werden, befürchte ich, dass etwa ein Drittel der deutschen Nierentransplantations-Zentren von einer dauerhaften Schließung bedroht ist“, so Floege.

Der GB-A hat am 27. März 2020 unscharf formuliert, „… der Krankenhausträger kann weitere Umstände zur Begründung der berechtigten mengenmäßigen Erwartung heranziehen“. Der Experte fordert, die Mindestmengen-Regelung verlässlich bis auf Weiteres auszusetzen, um Kapazitäten zu erhalten, die die Behandlung nephrologischer Patienten sicherstellen.

Literatur

Quelle: „DGIM fordert: Mindestmengen-Regelung für Nierentransplantationen aussetzen“, Pressmitteilung der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V., April 2020; https://idw-online.de/de/news745052

Autor: Redaktion transplant campus

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