Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 02.07.2020

Desensibilisierung vor Nierentransplantation

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl die bedingte Zulassung von Imlifidase bei Nierentransplantation. Die Behandlung soll die Nierentransplantation bei hochsensibilisierten Patienten mit positivem Crossmatch-Test ermöglichen.

Imlifidase für hochsensibilisierte Patienten vor Nierentransplantation

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA empfahl Ende Juni die Erteilung einer bedingten Marktzulassung für Imlifidase, wie die EMA in einer Pressemitteilung schreibt. (1) Imlifidase ist die erste Behandlung für erwachsene Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten, die gegenüber Gewebe des Spenders hochsensibilisiert sind und einen positiven Crossmatch-Test gegen eine verfügbare Niere eines verstorbenen Spenders haben. Imlifidase sollte ergänzend zu bestehenden Allokationsprogrammen eingesetzt werden bei Patienten, für die die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, eine passende Niere zu finden.

Problem: Hochsensibilisierung

Wenn eine Niere eines verstorbenen Spenders zur Transplantation angeboten wird, werden Crossmatch-Tests durchgeführt. Der Test prüft, ob ein Patient auf der Warteliste spezifische Antikörper gegen den potenziellen Spender besitzt. Hochsensibilisierte Patienten weisen außergewöhnlich hohe Antikörperspiegel auf, die auf das Gewebe des Spenders reagieren, was sich in einem positiven Crossmatch-Test zeigt und die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung des Spenderorgans erhöht. Diese Patienten kommen daher für eine Transplantation nicht in Frage und die verfügbare Niere wird in der Regel einem anderen Patienten auf der Warteliste angeboten. Es besteht ein hoher „unmet clinical need“, diese Patienten zu desensibilisieren und einen positiven Crossmatch in einen negativen umzuwandeln, damit sie für eine Nierentransplantation in Frage kommen.

Schutz vor Abstoßung durch Abbau von Immunglobulin G

Imlifidase besteht aus einem Enzym, das aus dem Bakterium Streptococcus pyogenes gewonnen wird und Immunglobulin G (IgG) abbaut. IgG wird vom Patienten gegen das transplantierte Organ gebildet. Durch den Abbau von IgG soll das Medikament das Immunsystem des Patienten daran hindern, das neu transplantierte Organ anzugreifen, wodurch das Risiko einer Transplantatabstoßung verringert wird.

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Gabe von Imlifidase vor der Transplantation zur Reduzierung der spenderspezifischen IgG und zur Ermöglichung einer Nierentransplantation für hochsensibilisierte Transplantationskandidaten wurde in drei einarmigen, offenen, sechsmonatigen klinischen Studien untersucht. In diesen Studien wurden 46 sensibilisierte Patienten transplantiert. Alle Patienten, die bei Aufnahme in die Studie Crossmatch-positiv waren, wurden innerhalb von 24 Stunden nach der Behandlung Crossmatch-negativ. Die Studien zeigten auch gute Ergebnisse zur Nierenfunktion und zum Transplantatüberleben nach sechs Monaten. Die häufigsten Nebenwirkungen, über die berichtet wurde, waren Infektionen, wie z.B. Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen und Sepsis, sowie infusionsbedingte Reaktionen. Die Wirkung von Imlifidase ist vorübergehend und schließt daher die Notwendigkeit einer Standard-Immunsuppression bei nierentransplantierten Patienten nicht aus.

Bedingte Marktzulassung

Imlifidase wird für eine bedingte Zulassung empfohlen, also im Rahmen eines der Regulierungsmechanismen der EU, die es erleichtern sollen, einen frühen Zugangs zu Medikamenten zu bekommen, die einen ungedeckten medizinischen Bedarf erfüllen. Die bedingte Zulassung erlaubt es, ein Medikament mit weniger vollständigen Daten als normalerweise erwartet zur Marktzulassung zu empfehlen, wenn der Nutzen der sofortigen Verfügbarkeit eines Medikaments für die Patienten das Risiko überwiegt, dass noch nicht alle Daten verfügbar sind. Das Unternehmen muss nun zusätzliche Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten vorlegen.

Literatur

 European Medicines Agency (EMA). New treatment to enable kidney transplant in highly sensitised patients.  Pressemitteilung vom 26.06.2020

Autor: Redaktion transplant campus

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