Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 03.08.2022

Ansprechen nierentransplantierter Patienten auf die COVID-19-Impfung

Die COVID-19-Impfung schützt nierentransplantierte Patienten nur unzureichend. Das vorübergehende Pausieren eines immunsupprimierenden Medikaments kann die Impfwirkung bei manchen Patienten verbessern.

Impfschutz bei Nierentransplantierten nur unzureichend

In mehreren Impfstudien und Publikationen konnten Wissenschaftler der Universität Heidelberg zeigen, dass Nierentransplantierte auch nach mehrmaliger Impfung nur unzureichend vor einer COVID-19-Erkrankung geschützt sind, wie das Universitätsklinikum Heidelberg berichtet. (1-3) Betroffene sind daher auf das verantwortungsvolle Handeln ihres Umfeldes und Maßnahmen des Infektionsschutzes angewiesen.

Nierentransplantierte tragen ein hohes Risiko, bei einer COVID-19-Infektion schwer zu erkranken. Ein Grund ist u. a. die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems, die nötig ist, um eine Abstoßung des Spenderorgans zu verhindern. Da Nierentransplantierte nicht in die Zulassungsstudien der Impfstoffe eingeschlossen wurden, war zu Beginn der Impfkampagne im Dezember 2019 nicht klar, inwieweit diese Patientengruppe einen Impfschutz entwickelt. Die Ärzte des Nierenzentrums Heidelberg starteten daher im Januar 2020 klinische Studien zum Impfansprechen ihrer Patienten.

Reduziertes Impfansprechen auch nach mehreren Impfungen

„Es zeigte sich, dass unsere nierentransplantierten Patientinnen und Patienten im Vergleich zu Normalgesunden deutlich schlechter auf die Impfung ansprachen: Nach der Zweitimpfung bildete nur knapp ein Drittel der 135 eingeschlossenen Patienten Antikörper gegen SARS-CoV-2 – im Gegensatz zu 100 Prozent in der gesunden Kontrollgruppe“, erläutert Dr. Louise Benning, die vor kurzem für Impfstudien am Nierenzentrum des Universitätsklinikums mit dem Anita und Friedrich Reutner Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet wurde. „Auch bei Patienten, die COVID-19 spezifische Antikörper nach Zweitimpfung ausbildeten, wurden die Varianten Alpha, Beta und Delta signifikant schlechter neutralisiert als bei der gesunden Kontrollgruppe – die Menge an gebildeten Antikörpern war zu niedrig.“ Auch nach Drittimpfung bildeten mehr als 40 Prozent der Nierentransplantierten keine ausreichenden SARS-CoV-2-spezifischen Antikörper aus, um eine Infektion erfolgreich zu verhindern oder abzumildern. Insbesondere die nun vorherrschende Variante Omikron konnte den Impfschutz umgehen.

Kurzeitiges Pausieren der Immunsuppression als möglicher Lösungsansatz

Eine aktuell noch nicht publizierte Studie zeigt jedoch einen möglichen Lösungsansatz auf: Wird vor der Impfung eines der immununterdrückenden Medikamente zeitweise pausiert, verbessert sich die Impfantwort. Das kommt aber nur bei einigen Patienten in Frage: Voraussetzung ist eine stabile Transplantatfunktion, kein vorbestehendes Abstoßungsrisiko und eine bestimmte Dreifachkombination immunsupprimierender Medikamente.

„Das deutlich eingeschränkte Impfansprechen unserer Patienten auch nach mehrmaligen Impfungen ist insbesondere im Hinblick auf die derzeit wieder steigenden Inzidenzen besorgniserregend“, so Benning. „Es ist daher dringend nötig, sich über alternative Impfstrategien für diese Patienten Gedanken zu machen.“ Einen passenden Ansatz entwickelte das Team aus der Beobachtung heraus, dass Art und Umfang der Immunsuppression Einfluss darauf haben, wie die Impfantwort ausfällt. Insbesondere Patienten mit einer dreifachen immunsuppressiven Therapie inklusive dem Wirkstoff Mycophenolsäure sprachen schlecht auf die Impfungen an. In einer noch nicht veröffentlichten Studie pausierten Patientinnen und Patienten unter engmaschiger Kontrolle der Transplantatfunktion eine Woche vor bis vier Wochen nach der Impfung dieses Medikament, um dem Immunsystem eine bessere Chance zu bieten, auf die Impfung zu reagieren. Vorläufige Ergebnisse zeigen ein deutlich besseres Impfansprechen dieser Patienten ohne erhöhtes Abstoßungsrisiko. „Diese Ergebnisse stimmen vorsichtig optimistisch. Das Pausieren des Medikaments darf jedoch nur in enger Abstimmung mit dem Facharzt erfolgen, um das Spenderorgan nicht zu gefährden“, betont Dr. Benning.

Weitere Daten zum SARS-CoV2-Impfansprechen bei veränderter Immunsuppression

Dass eine kurzzeitige Modifikation der immunsuppressiven Therapie bei nierentransplantierten Patienten zu einer verbesserten Immunität nach SARS-CoV2-Impfung führen kann, darüber hatte auch ein weiteres Wissenschaftlerteam aus Deutschland berichtet. Dr. Eva Schrezenmeier und Dr. Arne Sattler stellen die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus JCI Insight im Journal Club von transplant campus vor. Zum Artikel SARS-CoV2: Impfansprechen bei veränderter Immunsuppression

Literatur

  1. Covid-Impfung schützt nierentransplantierte Patientinnen und Patienten nur unzureichend. Pressemeldung des Universitätsklinikum Heidelberg vom 21.07.2022
  2. Benning L, Morath C, Bartenschlager M, et al. Neutralization of SARS-CoV-2 Variants of Concern in Kidney Transplant Recipients after Standard COVID-19 Vaccination. Clin J Am Soc Nephrol. 2022;17(1):98-106. doi:10.2215/CJN.11820921
  3. Benning L, Morath C, Bartenschlager M, et al. Neutralizing antibody response against the B.1.617.2 (delta) and the B.1.1.529 (omicron) variants after a third mRNA SARS-CoV-2 vaccine dose in kidney transplant recipients [published online ahead of print, 2022 Apr 5]. Am J Transplant. 2022;10.1111/ajt.17054. doi:10.1111/ajt.17054

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben