Autor: Redaktion transplant campus - Datum: 15.10.2019

Gute Langzeitergebnisse bei HIV-positiver Nierentransplantation

Bisher war wenig über die langfristigen Ergebnisse einer Nierentransplantation von HIV-positiven Spendern in HIV-positive Empfänger bekannt. Auch über potentielle Risiken, wie vom Spender übertragene Resistenzen oder HIV-Superinfektionen, wusste man nicht viel. Eine Studiengruppe aus Kapstadt, Südafrika hat nun genaue diese Aspekte untersucht.

Selhorst P, Combrinck CE, Manning K, Botha FCJ, Labuschagne JPL, Anthony C, Matten DL, Breaud A, Clarke W, Quinn TC, Redd AD, Williamson C, Muller E. Longer-Term Outcomes of HIV-Positive-to-HIV-Positive Renal Transplantation. N Engl J Med 2019; 381:1387-1389. Zum Letter to the editor (kostenpflichtig)

Nierentransplantation zwischen HIV-Infizierten

Selhorst et al. führten eine Nachbeobachtung aller HIV (Humanes Immundefizienzvirus)-positiver Patienten in Südafrika durch, die eine Niere von einem HIV-positiven Spender erhalten hatten. Die Ergebnisse wurden nun in einem Letter to the editor im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Insgesamt handelte es sich um 51 HIV-positive Empfänger. Bei 15 Spendern und 26 Empfängern, die nach 2011 transplantiert wurden, konnten die Wissenschaftler Proben von mononukleären Zellen in Plasma und peripherem Blut (PBMC, Peripheral Blood Mononuclear Cells) sammeln. Die Proben wurden auf antiretrovirale Medikamente untersucht. Mittels Deep-Sequencing-Assay wurde auf HIV-resistente Mutationen, den Nachweis eines viralen Inokulums des Spenders und eine anhaltende, vom Spender übertragene HIV-Superinfektion getestet.

Alle Empfänger befanden sich unter viraler Suppression zur Zeit der Transplantation und die meisten führten das gleiche antiretrovirale Therapieregime auch nach der Transplantation fort.

Gute klinische Ergebnisse

Sowohl in Hinsicht auf das Transplantat- und das Patientenüberleben als auch auf die Abstoßungsrate waren die Ergebnisse im Langzeitverlauf gut (siehe Tabelle 1).
Das 5-Jahres-Transplantat- und Patientenüberleben war laut den Autoren vergleichbar mit den 3-Jahres-Ergebnissen aus den USA bei HIV-positiven Patienten, die eine HIV-negative Niere erhielten (88,2% bzw. 73,7%).

Tabelle 1: Transplantatüberleben, Patientenüberleben und Abstoßungsrate

Nach 1 Jahr   Nach 3 JahrenNach 5 Jahren
Transplantatüberleben*, %
(95% Konfidenzintervall)
96 (85-99) 93 (79-98)79 (58-91)
Patientenüberleben#, %
(95% Konfidenzintervall)
87 (74-94) 87 (74-94) 84 (68-92)
Pat. ohne Abstoßungen, %
(95% Konfidenzintervall)
75 (59,5-85)  61 (44-74)56 (38-71)

 * Daten von Patienten, die mit einem funktionierenden Transplantat gestorben waren, wurden nicht berücksichtigt
# Acht Empfänger (16 %) starben nach der Transplantation aufgrund von nicht transplantationsbedingten Ereignissen

Keine neuen Resistenzen

Es folgte eine Untersuchung der PBMC-Proben von 24 Donor-Empfänger-Paaren vor und nach der Transplantation auf Resistenz-Mutationen. Bei 6 Empfängern waren Arzneimittel-Resistenzen nachweisbar, allerdings war keine davon vom Spender übertragen – obwohl bei 8 Empfängern (32%) kurz nach der Transplantation im Plasma Spenderviren entdeckt wurden. Bei keinem der Empfänger musste die antivirale Therapie wegen Therapieversagen umgestellt werden.

Eine mögliche Superinfektion

Zur Untersuchung der PBMC-Proben auf anhaltende Superinfektionen führte man bei 25 Empfängern eine genetische Analyse der reversen Transkriptase und der V3-Region durch und verglich die Übereinstimmungen der DNA-Sequenzen mit denen des jeweiligen Spenders. Jeder Patient wurde im Median zu 3 verschiedenen Zeitpunkten getestet. Bei 24 Patienten gab es keine Übereinstimmung.

Nur bei einem Patienten zeigte sich in einer PBMC-Probe 12 Wochen nach der Transplantation eine mögliche HIV-Superinfektion. Allerdings war die Donor-Viruslast niedrig, was auf eine vorübergehende, subklinische Superinfektion hindeuten könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich dabei um ein anhaltendes virales Inokulum und das Abschilfern von infizierten Spendernierenzellen in das Empfängerblut handelt. Unabhängig von der Ursache ist fraglich, ob dieser Befund eine klinische Relevanz hat, da bei keinem Patienten ein Anstieg der Viruslast oder eine neue Virusresistenz beobachtet wurde, so die Autoren.

Fazit

Die Ergebnisse – d.h. das positive klinische Outcome, ohne dass von den Spendern Arzneimittel-Resistenzen oder anhaltende Superinfektionen auf die Empfänger übertragen wurden – unterstützen den Einsatz der HIV-positiven Nierentransplantationen in HIV-positive Empfänger.

Literatur

Selhorst P et al. Longer-Term Outcomes of HIV-Positive-to-HIV-Positive Renal Transplantation. N Engl J Med 2019; 381:1387-1389

Autor: Redaktion transplant campus

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