Autor: Redaktion transplant campus - Datum: 19.11.2021

Lesetipp: Deutlicher Rückgang der Hepatitis-C-Virus-assoziierten Lebertransplantationen in Deutschland

Die Hepatitis C-Virusinfektion war bis vor Kurzem einer der häufigsten Gründe für eine Lebertransplantation. Die Erkrankung kann inzwischen jedoch bei fast allen Patienten in kurzer Zeit geheilt werden. Eine aktuelle Publikation mit Daten von elf hepatologischen Zentren in Deutschland zeigt, dass durch die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten der Bedarf an Lebertransplantationen aufgrund von Hepatitis C deutlich gesunken ist.

DAAs als hochwirksame Therapieoption bei Hepatitis C

Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) kann zu einer chronischen Lebererkrankung führen, deren Folgen eine Leberzirrhose und ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) sind. Eine HCV-Infektion war somit über viele Jahre hinweg eine der häufigsten Ursachen für Lebertransplantationen bei dekompensierten Zirrhosen oder HCCs.

In den vergangenen zehn Jahren wurden in Deutschland zwischen 800 und 1 200 Lebertransplantationen pro Jahr durchgeführt. Durch die seit 2014 in Deutschland zugelassenen antiviralen Medikamente (DAAs – Direct Acting Antiviral Agents), die direkt in den Replikationszyklus des Virus eingreifen, kann die Hepatitis C inzwischen bei fast allen Patienten sehr gut behandelt und in kurzer Zeit, nahezu ohne Nebenwirkungen, sogar geheilt werden.

Lebertransplantationen an elf deutschen Zentren zwischen 2010 und 2020

Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage, in welchem Maße die Notwendigkeit für HCV-bedingte Lebertransplantationen seitdem gesunken ist. In einer ersten Analyse von elf deutschen Transplantationszentren fanden sich bereits im Jahr 2016 Hinweise , dass der Anteil an Patienten mit einer HCV-bedingten Lebertransplantation nach Einführung der DAA in Deutschland rückläufig war. (1)

Eine aktuelle Kurzmitteilung im Deutschen Ärzteblatt zeigte, dass sich der Trend auch in den letzten Jahren weiter fortgesetzt hat. (2, 3)

Um zu prüfen, ob der klinische Effekt der Hepatitis C-Therapie auch zu einer Veränderung der Lebertransplantationszahlen führt, wurden Patientendaten aus Zentren, die am Deutschen Hepatitis C-Register beteiligt sind, analysiert. Das „Deutsche Hepatitis C-Register“ (DHC-R) ist mit mehr als 18.000 Patienten eines der weltweit größten Register zu dieser Erkrankung.

Ausgewertet wurden die Daten von elf Transplantationszentren im gesamten Bundesgebiet zu den Lebertransplantationen der Jahre 2010 bis 2020. Dabei wurden über 55 Prozent aller in diesem Zeitraum in Deutschland durchgeführten Lebertransplantationen erfasst.

Abnahme der Anzahl an gelisteten und transplantierten Patienten mit Hepatitis C

Die Auswertung zeigt, dass seit der Zulassung der ersten DAAs im Jahr 2014 der Anteil der Hepatitis C-Patienten an allen Personen, die für eine Lebertransplantation gelistet waren bzw. eine neue Leber erhalten haben, kontinuierlich gesunken ist.

  • In den Jahren 2010 bis 2014 waren jeweils mehr als 15 Prozent der Patienten aufgrund einer Hepatitis C für eine Lebertransplantation gelistet.
  • 2020 war nur noch bei 5,9 Prozent der Gelisteten die Hepatitis C die Ursache für die Notwendigkeit einer Lebertransplantation.

Ein ähnlicher Trend zeigte sich auch für Patienten, die transplantiert worden sind. Die Auswertung belegt auch, dass die antivirale HCV-Therapie der Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation hocheffektiv und sicher ist. In den Jahren 2019 und 2020 betrug die Ausheilungsrate bei diesen Patienten 100 Prozent.

Mehr Wartelistenpatienten mit Hepatitis C und HCC

Bei den Patienten, die aufgrund einer Hepatitis C für eine Lebertransplantation gelistet wurden, stieg der Anteil derer, die wegen eines HCC eine neue Leber erhalten mussten, deutlich an.

  • Im Zeitraum 2010 bis 2013 war HCC bei etwa 50 Prozent aller wegen Hepatitis C gelisteten Patienten der Grund für die Listung.
  • Im Jahr 2020 wurden 81 Prozent der neu gelisteten HCV-Patienten wegen eines HCCs lebertransplantiert.

Aktuell ist also festzustellen, dass ein Patient mit HCV bis auf wenige Ausnahmen letztlich nur noch transplantiert werden muss, wenn er ein HCC entwickelt. Vor diesem Hintergrund ist von Bedeutung, dass mit einer Ausheilung der HCV-Infektion das Risiko für die Entwicklung eines HCCs zwar reduziert, jedoch nicht komplett eliminiert wird.

Die Autoren empfehlen, alle Patienten mit HCV, auch wenn ein hepatozelluläres Karzinom mit kurativem Therapieansatz vorliegt, einer antiviralen Therapie zuzuführen oder die Therapie im Anschluss an eine Lebertransplantation einzuleiten. Eine Therapieindikation sollte jedoch zurückhaltend gestellt werden, wenn ein Labor-MELD-Score > 20 vorliegt.

Entwicklung bietet Chancen für Patienten mit unheilbaren Lebererkrankungen

Diese Analyse zeigt, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Notwendigkeit von Lebertransplantationen aufgrund einer Hepatitis C und den aktuellen HCV-Therapien mit DAAs besteht. Durch den Rückgang der Lebertransplantationen, die aufgrund von Hepatitis C notwendig sind, besteht nun für Patienten mit anderen Lebererkrankungen, die nicht heilbar sind, eine erhöhte Chance auf eine Transplantation. Das ist lebensrettend, so fasst Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Letztautor der Publikation, die Ergebnisse zusammen. Für Deutschland errechneten die Autoren, dass allein im Jahr 2020 etwa 50 Lebern für andere Patienten zur Verfügung standen.

Weitere Informationen

Hier gelangen Sie zu der Kurzmitteilung im Deutschen Ärzteblatt:

Wedemeyer H, Herzer K, Serfert Y, Taubert R, Trautwein C, Eurich D, Strassburg CP, Lang M, Weiss KH, Berg T, Galle PR, Heinzow H, Zeuzem S: Declining numbers of hepatitis-C-virus-associated liver transplantations in Germany. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 797–8.

Literatur

    1. Sperle I et al.: Prevalence of Hepatitis B, C, and D in Germany: results from a scoping review. Front Public Health 2020; 8: 424.
    2. Wedemeyer H et al. Declining numbers of hepatitis-C-virus-associated liver transplantations in Germany. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 797–798.
    3. Erfolgreiche Hepatitis C-Therapie senkt die Notwendigkeit für Lebertransplantationen deutlich. Pressemitteilung der Deutschen Leberstiftung vom 12.11.2021

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