Autor: Dr. med. Joachim Sauer (Redaktion transplant campus) - Datum: 21.02.2018

DTG 2017: Herztransplantation: Firstline Maschine versus Transplantation

Was spricht für eine Firstline-Therapie mit einem Herzunterstützungssystem, was für die Transplantation? In einer spannenden Session setzten sich Prof. Dr. René Schramm, München, und Prof. Dr. Jan Gummert, Bad Oeynhausen, für die „Maschine“ oder die Transplantation ein.

Pro Herzunterstützungssystem

Prof. Schramm ging zunächst auf die verschiedenen Arten von Unterstützungssystemen ein, die temporär oder permanent eingesetzt werden. Nach den 2-Jahres-Ergebnissen der ROADMAP-Studie (1) bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz bieten Linksherzunterstützungssysteme (LVAD) Vorteile bezüglich des Gesamtüberlebens und der Herzfunktion sowie eine höhere Lebensqualität gegenüber einer optimalen medikamentösen Therapie. Nachdem sich in den ersten Jahren nach LVAD-Implantation bessere Ergebnisse zeigen als danach, sollten LVAD im Sinne einer überbrückenden Maßnahme bis zur Transplantation („bridge to transplant“) eingesetzt werden, weniger als definitive Therapiemaßnahme („destination therapy“). Zu beachten sei laut Prof. Schramm auch der Fortschritt bei der Pumpentechnik (2), der beispielsweise zu einer Reduktion der Pumpenthrombosen geführt habe.

Meist kommen Patienten der Klasse Intermacs 3-4 für eine LVAD-Therapie in Betracht. Die Implantation von Herzunterstützungssystemen hat in Deutschland deutlich zugenommen, die Einjahresüberlebensrate ist mit ca. 80 % exzellent. Wichtig sei laut Prof. Schramm beim Einsatz von Unterstützungssystemen vor allem, dass Komorbiditäten, die Selektion geeigneter Patienten und eine optimale Nachsorge beachtet werden.

Pro Herztransplantation

Prof. Gummert dagegen betonte die gute Prognose der Herztransplantation: 10 Jahre nach Transplantation leben noch ca. 60 % der Patienten. Bei vorheriger Unterstützungstherapie seien wegen der damit einhergehenden Komplikationen dagegen schlechtere Transplantationsergebnisse und eine höhere Mortalität zu verzeichnen. In Bad Oeynhausen werde daher die Herztransplantation als Firstline-Therapie gegenüber dem primären Einsatz von Herzunterstützungssystemen bevorzugt. „Bridge to transplant“ sei keine gute Alternative, weil innerhalb eines Jahres letzten Endes dennoch ca. 40 % der Patienten transplantiert werden und die Mortalität bei diesen Patienten mit 10% hoch sei.

Gegen den Firstline-Einsatz von LVAD spricht zudem, dass bei den rund 30 % Patienten mit Rechtsherzversagen das Gerät nicht ausreicht. Schließlich, so Prof. Gummert, liegen sehr wenige Langzeiterfahrungen mit LVAD vor. Und trotz aller Fortschritte komme es bei LVAD zu Problemen mit Blutungen im Rahmen der Antikoagulation, mit Schlaganfällen und Infektionen sowie mit der Zuverlässigkeit der Geräte. Im Hinblick auf einen breiteren Einsatz seien verbesserte biventrikuläre Unterstützungssysteme, eine Reduktion der neurologischen Komplikationen, eine transkutane Energietransmission und bessere Pumpenmechanismen erforderlich.

Autor: Dr. med. Joachim Sauer (Redaktion transplant campus)

Dr. med. Joachim Sauer (Redaktion transplant campus)

Literatur

  1. Estep JD et al. Risk Assessment and Comparative Effectiveness of Left Ventricular Assist Device and Medical Management in Ambulatory Heart Failure Patients: Results From the ROADMAP Study. J Am Coll Cardiol 2015;66:1747-1761.
  2. Mehra MR et al. Left Ventricular Assist Devices for Advanced Heart Failure. N Engl J Med 2017;376:1894-1895.


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