Autorin: Dr. rer. nat. Daniela Schindler - Datum: 28.02.2022

Die DZIF Transplantationskohorte e.V.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat eine Transplantationskohorte gegründet, in der umfassende Daten und Biomaterialien von transplantierten Patienten in ganz Deutschland gesammelt werden. Die Daten können als Grundlage für wissenschaftliche Studien im Problembereich „Infektionen nach Transplantation“ genutzt werden. Dr. Daniela Schindler, Koordinatorin der Kohorte, berichtet über deren Struktur und Ziele.

Risikofaktoren für infektiöse Komplikationen nach Transplantation besser verstehen

Infektiöse Komplikationen stellen eine Hauptursache von Morbidität und Mortalität nach Organ- oder Stammzelltransplantationen dar. Vor diesem Hintergrund ist die Kenntnis von individuellen und generellen Risikofaktoren entscheidend für eine optimierte Prävention und Behandlung von Infektionen, der Funktionsfähigkeit und Überlebensdauer der Transplantate und somit der Lebensqualität und Überlebenszeit der Patienten.

Vernetzung und Bündelung von Wissen zu Infektionen nach Transplantation

Um die Expertise und den Kenntnisgewinn verschiedenster beteiligter Fachrichtungen im Bereich von Medizin und Forschung zu vernetzen, wurde innerhalb des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die DZIF Transplantationskohorte e.V. gegründet. Mediziner und Wissenschaftler aus zahlreichen Fachrichtungen finden in der Transplantationskohorte eine übergreifende Plattform zum Austausch von Daten und Biomaterialien, welche als Grundlage wissenschaftlicher Studien herangezogen werden können.

Derzeit sind die Universitätsstandorte- und -kliniken der Städte Hannover, Heidelberg (Universität und Nierenzentrum), München (beide Universitäten und Universitätskliniken) und Tübingen an der Transplantationskohorte beteiligt.

Es werden Patienten in die Kohorte aufgenommen, die sich einer Transplantation von Niere, Leber, Pankreas, Herz oder Stammzellen unterzogen haben.

Sammlung medizinischer Daten und Biomaterialien zu festgelegten Zeitpunkten

An allen Standorten werden nach gemeinsam abgestimmten Protokollen und SOPs medizinische Daten und Biomaterialien transplantierter Patienten zu festgelegten Zeitpunkten gewonnen bzw. gesammelt. Die Qualität der Daten und Biomaterialien wird regelmäßig über Audits und Qualitätskontrollen überprüft, welche in Kooperation mit der Infrastruktur Bioressourcen, Biodaten und digitale Gesundheit des DZIF erfolgen.

  • Eine ausführliche Dokumentation der medizinischen Daten, sowie eine Sammlung von Blutproben (Plasma, Serum, Buffy Coat bzw. DNA, PBMCs, Pax-Gene), Urin und Stuhl findet zu festgelegten Zeitpunkten statt: Grundsätzlich zum Zeitpunkt der Transplantation sowie nach 3, 6, 9 und 12 Monaten.
  • Nach Möglichkeit werden die Follow-up-Termine jährlich fortgeführt.
  • Zusätzliche Dokumentationen und Probenentnahmen finden statt im Falle von Ereignissen wie Infektionen oder akuten Abstoßungsreaktionen. Ebenfalls wird das Auftreten von Tumoren dokumentiert.

Welche Parameter werden in der Transplantationskohorte erhoben?

  • Von jedem rekrutierten Patienten werden zunächst in einem Baseline-Formular Informationen zur Grunderkrankung, der Medikation, Komorbiditäten, HLA-Typisierungen und persistierenden Infektionen (CMV, EBV, BK, HIV, etc.) erfasst; ebenso Daten des Spenders.
  • Zusätzlich werden Details zum Transplantationsverlauf selbst erfasst, wie z. B. Ischämiezeiten.
    In weiteren Formularen können optional aufgetretene Infektionen erfasst werden, Viruslasten, Antikörpertiter oder auch bakterielle Resistenzen.
  • In den Follow-up-Formularen wird die aktuelle Medikation erfasst, stattgehabte Infektionen oder sonstige relevante Ereignisse, sowie spezifische Parameter, die auf die Funktionsfähigkeit des Transplantats schließen lassen.

Derzeit sind medizinische Daten von über 2000 Transplantations-Patienten verfügbar

Aktuell (Januar 2022) sind in der Transplantationskohorte medizinische Daten von 2024 Patienten hinterlegt, sowie mehr als 27.200 Blutproben und 8500 sonstige Proben wie Urin oder Stuhl. Aus einem Teil der Blutproben werden direkt PBMCs isoliert.

Es ist geplant, die Rekrutierung noch bis mindestens Ende 2023 fortzuführen. Die weitere Ausrichtung der Kohorte wird in enger Abstimmung mit dem DZIF e.V. erfolgen. Die Daten und gesammelten Bioproben sollen über diesen Zeitpunkt hinaus verfügbar bleiben.

Scientific Steering Committee entscheidet über Nutzung von Daten und Biomaterialen

Die Transplantationskohorte verfügt neben einem Vorstand zusätzlich über ein großes wissenschaftliches Leitungsgremium (Scientific Steering Committee; SSC), bestehend aus Medizinern und Wissenschaftlern aller beteiligten Standorte und Fachrichtungen.

Das SSC nimmt Anträge auf Nutzung von Daten und Proben entgegen und entscheidet über die Bewilligungen, z. T. auch auf Grundlage der Expertise externer Gutachten.

Erste Anlaufstellen bei Fragen und Interesse an Daten oder Proben

Bei Interesse an den Daten und/oder Biomaterialien der Transplantationskohorte finden sich zunächst allgemeine Informationen auf der Webseite: https://www.dzif.de/en/working-group/transplant-cohort.

Die Koordinatorin, Dr. Daniela Schindler, kann zudem weitere Detailfragen beantworten und bei konkretem Interesse an Ressourcen der Kohorte einen Zugang zu einer Testdatenbank ermöglichen, über den man sich im Detail sämtliche potenziell erfassten Parameter ansehen kann.

Hauptinteressensgebiete und laufende Studien

Das Hauptinteresse der Transplantationskohorte und der beteiligten Personen liegt in den Zusammenhängen zwischen genetischen und umweltbezogenen Einflussfaktoren, insbesondere Infektionen, und ihren Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Transplantate und somit auf Lebensqualität und Lebenserwartung der Patientinnen und Patienten. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse sollen Risikofaktoren identifiziert werden, die ggf. eine optimalere Anpassung von Präventions- und Medikationsstrategien ermöglichen können.

Aktuell befinden sich mehrere Studien in der Durchführung, die mit Hilfe von Daten und Proben der Transplantationskohorte realisiert werden.

Aktuell laufende Studien mit Ressourcen der Transplantationskohorte

Incidences of infectious events in the Transplant Cohort of the German Center of Infectious Diseases (DZIF)

Heidelberg

Gut microbial composition and metabolism associate with graft survival and rejection after allogenic kidney transplantation

Hamburg/Berlin; TTU Gastrointestinale infections

Association analysis of genetic influences on the immune system and transplantation outcome: genotyping in the DZIF transplant cohort (DIG-DZIF-Tx)

Hannover/München

Prevalence and incidence of hepatitis E virus infection in the DZIF Transplant Cohort

Hannover

HPV Prevalence in the DZIF Tx-Cohort (Buccal swabs)

Tübingen

Weitere Informationen zur Transplantationskohorte

Die Strategie und Struktur der Transplantationskohorte wurde in einer Veröffentlichung bereits näher beschrieben: André Karch et al. The transplant cohort of the German center for infection research (DZIF Tx-Cohort): study design and baseline characteristics. Eur J Epidemiol 2021. Als Vergleichskohorte kann an dieser Stelle auf die Nationale Kohorte (NaKo Gesundheitsstudie) verwiesen werden.

Autorin: Dr. rer. nat. Daniela Schindler

Autorin:

Dr. rer. nat. Daniela Schindler
DZIF Transplantationskohorte e.V.
- Koordination -
Kliniken der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität München

 

 

Disclosures

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