Autor:  Dr. Jenny Prüfe - Datum: 30.08.2016

Tipps zur Förderung der Adhärenz und weitere Unterstützungsangebote

Tipps für den Alltag

Nachstehend finden sich einige Tipps für den Alltag, mit denen vor allem die Medikamenten-Adhärenz gefördert werden kann. Dabei ist es wichtig immer mit Eltern und Kind zu reden:

  • Übersichtliches Medikamentenregime mit möglichst wenig Einnahmezeitpunkten
  • Kinderfreundliche Rezepturen und individuell angepasstes Regime (geschmacksneutrale Flüssigkeiten, kleine Tablettengröße)
  • Wiederholung der relevanten Informationen auch durch andere Teammitglieder
  • Aushändigung eines schriftlichen Medikamentenplans und Timers 
  • Regelmäßige Re-Evaluation über die Notwendigkeit einzelner Medikamente sowie Erfassung von Nebenwirkungen
  • Anleitung zur Routinen-Bildung („Tablettennehmen ist so selbstverständlich wie Zähneputzen“)
  • Hilfestellungen geben (z.B. Dispenser, Erinnerungs-Apps wie KiO-App, MyTherapy App)
  • Wünsche und Ängste von Kind und Eltern berücksichtigen
  • Sich der Schwere der Aufgabe bewusst sein und die Familien auch für kleine Erfolge positiv bestärken
  • Einladung zu Selbsthilfegruppen geben

Weitere Unterstützungsangebote

Daneben gibt es Angebote, die über die Arztpraxis hinausreichen. Zwar steckt die Entwicklung von standardisierten und strukturierten Schulungsprogrammen noch in ihren Anfängen. Existierende Programme, beispielsweise durch das Kompetenznetz Patientenschulung („KomPaS“) für den Bereich „Niereninsuffizienz“ sowie die erkrankungsübergreifende „Transitionsschulung“ nehmen das Thema Adhärenz in ihre Curricula ebenso auf wie die Jugend- oder Familienreha im Rehabilitationszentrum „Ederhof“ der Rudolph-Pichlmayr-Stiftung.

Sollten psychische Krisen, Probleme in der Krankheitsakzeptanz sowie Verdrängungsprozesse ursächlich für nonadhärentes Verhalten sein, ist die Anbahnung einer zeitnahen psychologisch / psychotherapeutische Unterstützung dringend geboten.

In der Zeit der Transition, vor allem aber in der ersten Phase nach dem Transfer in die Erwachsenenmedizin, kann ein Case-Manager, wie er vom „Berliner Transitions Programm“ angeboten und in einigen Bundesländern auch durch die Krankenkassen erstattet wird, eine zusätzliche Hilfestellung sein. Mehr zum Thema Transition auf transplant campus: Merkblatt Transition und Interview mit Prof. Pape zur TransNEPHRO-Studie.

Sollten diese Maßnahmen zur Unterstützung nicht ausreichen und zudem die Arzt-Patient-Beziehung derart erschwert sein, dass ein vertrauensvolles Miteinander nicht möglich ist, bleibt gelegentlich nur der Arztwechsel ein gangbarer Weg.


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Literatur

  1. World Health Organisation. Adherence to long-term therapies: evidence for action. 2003: Seite 27
  2. Misaka et al. Green tea ingestion greatly reduces plasma concentrations of nadolol in healthy subjects. Clin Pharmacol Ther 2014; 95(4):432-438.

    Autor: Dr. Jenny Prüfe

    Dr. Jenny Prüfe
    Psychologin (MPhil), Dipl. Reha-Päd.
    Pädiatrisches Forschungszentrum
    Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen
    Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
    Medizinische Hochschule Hannover

    Disclosures

    Kein Interessenskonflikt

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