Autor:  Dr. Jenny Prüfe - Datum: 30.08.2016

Was tun bei Non-Adhärenz?

Suche nach Ursachen

Sollte der Verdacht einer Non-Adhärenz entstehen, so gilt es, dem dargestellten Modell folgend den Verdacht offen und vorwurfsfrei anzusprechen und zunächst zu erörtern, worin die Ursachen liegen könnten: Haben Eltern und Kind die Notwendigkeit der Therapie verstanden, und wissen sie um die einzelnen therapeutischen Schritte? Haben Eltern Probleme mit der Umsetzung, weil das Kind sich wehrt, oder weil beispielsweise der Einnahmeplan mit Arbeitszeiten kollidiert? Fürchtet sich ein Teenager vor Nebenwirkungen oder nimmt er Medikamente nicht ein, weil er tatsächlich für ihn nicht hinnehmbare Nebenwirkungen erfährt? Dies sind nur einige wenige Fragen, die man in der alltäglichen Praxis im Hinterkopf haben sollte.

An Wechselwirkungen denken

Auch ist zu beachten, dass etwa ein Drittel non-adhärenten Verhaltens unbeabsichtigt ist. Hier kann die unwissentliche Einnahme von Lebensmitteln, welche die Resorption und Wirkung der Immunsupressiva beeinflussen, eine entscheidende Rolle spielen. Während weithin bekannt ist, dass der Verzehr von Grapefruit den Medikamentenspiegel beeinflusst, ist hingegen wenig geläufig, dass dies auch für andere Lebensmittel wie Granatapfel(-saft), Johanniskraut-Tee, aber auch grünen Tee gilt. Letzterer wirkt sich nicht nur auf die Immunsuppression aus, sondern ist auch in der Lage, die Plasmakonzentration des nicht-selektiven Beta-Blockers Nadolol sowie anderer Präparate, deren Aufnahme OATP1A2-vermittelt ist, um bis zu 85% zu senken (2).

Non-Adhärenz nur in bestimmten Therapiebereichen?

Oftmals besteht eine Non-Adhärenz auch nur für ausgewählte Therapiebereiche (z.B. einzelne Medikamente) und ist nicht generalisiert (Kontrolltermine, Diät, körperliche Aktivität). Hier ist es für die Arzt-Patienten-Beziehung, wie auch für die Adhärenzförderung dienlich, wenn die erfolgreichen Anteile positiv herausgehoben und bestärkt werden: „Du schaffst es zuverlässig zu den Terminen zu kommen und auch deine Trinkmenge hältst du ein. Das machst du richtig gut! Lass uns nun überlegen, wie du die Dinge, die dir noch nicht so gut gelingen, besser machen kannst…“

Zurück zur ÜbersichtTipps zur Förderung der Adhärenz nach einer Transplantation

Welche Faktoren können die Adhärenz beeinflussen?Wie misst man Adhärenz?

Wie misst man Adhärenz?

Was tun bei Non-Adhärenz?

Tipps zur Förderung der Adhärenz und weitere Unterstützungsangebote

Literatur

  1. World Health Organisation. Adherence to long-term therapies: evidence for action. 2003: Seite 27
  2. Misaka et al. Green tea ingestion greatly reduces plasma concentrations of nadolol in healthy subjects. Clin Pharmacol Ther 2014; 95(4):432-438.

    Autor: Dr. Jenny Prüfe

    Dr. Jenny Prüfe
    Psychologin (MPhil), Dipl. Reha-Päd.
    Pädiatrisches Forschungszentrum
    Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen
    Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
    Medizinische Hochschule Hannover

    Disclosures

    Kein Interessenskonflikt

    Kommentare (0)

    Keine Kommentare gefunden!

    Neuen Kommentar schreiben