Autor: Redaktion transplant campus - Datum: 12.01.2022

Chiesi News Hour auf der 30. Jahres­tagung der Deutschen Transplantations­gesellschaft (DTG)

Die Chiesi News Hour jetzt On Demand: Was gibt es Neues aus der Transplantationsmedizin? Renommierte Expertinnen und Experten stellten wichtigen Publikationen der letzten 12 Monate  bei der Chiesi News Hour auf dem DTG-Kongress 2021 vor. 

Vor Ort in Stuttgart bis auf den letzten Platz besetzt – zahlreiche Zuschauerinnen und Zusschauer online zugeschaltet. Die diesjährige Chiesi News Hour, die am 7. Oktober 2021 im Rahmen der 30. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) stattfand, war wieder einmal ein voller Erfolg. Live auf dem Podium in Stuttgart präsentierten Prof. Dr. Vedat Schwenger, Stuttgart, Prof. Dr. Johann Pratschke, Berlin und PD Dr. Miriam Banas, Regensburg, ihre ganz persönlichen Highlights aus den Bereichen Nierentransplantation, Lebertransplantation und Translational Science.

Sie haben den Live-Stream verpasst? Kein Problem, im Folgenden finden Sie die Vorträge der Expertin und Experten kurz zusammen­gefasst. Außerdem steht Ihnen auf der Webseite der Chiesi GmbH On Demand eine Auf­zeichnung des Symposiums zur Verfügung und Sie können die Vortrags­slides herunter­laden.

Hier geht’s zu den Vorträgen und den Vortragsslides


Maschinen­perfusion vs. Kalt­lagerung – klare Vorteile über­wiegen

Leber­transplantationen nach Herz­kreis­lauf­still­stand (DCD, donation after cardiac death) sind häufig mit erhöhtem Auftreten nicht-anastomotischer Gallen­gangs­strikturen assoziiert. Bringt die duale hypotherme oxygenierte Maschinen­perfusion (DHOPE, dual hypothermic oxygenated perfusion) hier im Ver­gleich zur konven­tionellen Kalt­lagerung (SCS, static cold storage) ein besseres Outcome? Prof. Pratschke zeigte dazu Daten der DHOPE-DCD-Studie und beantwortete zudem die Frage, ob eine hypotherme oxygenierte Maschinen­perfusion (HOPE, hypothermic oxygenated perfusion) auch die frühe Allo­transplantat­schädigung bei Hoch­risiko­spender­organen aus der Hirntod-Spende (DBD, donation after brain death) reduzieren kann.

Komplikationen und Risiko­faktoren im Fokus

Wie kann man Komplikationen nach der Trans­plantation verhindern und welche Risiko­faktoren beeinflussen das Outcome nach der Transplantation? Um diese Aspekte drehten sich zwei Publikationen, die von Prof. Schwenger und Prof. Pratschke vor­gestellt wurden.

Prof. Schwenger beschäftigte sich mit der Frage, ob mit Hilfe einer frühen Insulin­therapie ein Post­transplantations-Diabetes (PTDM) nach Nieren­transplantation verhindert werden kann. Hierzu präsentierte er Daten einer zwei­jährigen Studie, in der laut Intention-to-Treat-Analyse der primäre Endpunkt – PTDM 12 Monate nach Transplantation – nicht erreicht werden konnte. Die Per-Protocol-Analyse zeigte hingegen viel­versprechendere Ergebnisse.

Prof. Pratschke informierte über aktuelle Studien­daten zur prä­operativen Myosteatose als wichtigen Prognose­marker bei leber­transplantierten Patientinnen und Patienten und gab einen Über­blick, wie diese das Graft- und Patienten­überleben nach der Transplantation beeinflusste.

Immunsuppression – Biomarker Torque-Teno-Viren und mTOR-Inhibition bei HCC

Die Prophylaxe einer Transplantat­abstoßung durch die Immun­suppression nach Nieren­transplantation erfordert eine optimale Ein­stellung. Da bei einigen Patientinnen und Patienten die Über­prüfung der Immun­suppressiva-Tal­spiegel nicht ausreichend ist, werden dringend neue Tests oder Algorithmen zur Steuerung der Immun­suppression benötigt. Vor diesem Hintergrund stellte PD Dr. Banas eine mögliche Lösung vor – das Immun­monitoring mittels Torque-Teno-Viren (TTV). Die Daten einer aktuellen Unter­suchung sind chancen­reich und bestätigen eine signifikante Assoziation zwischen sub­klinischer Transplantat­abstoßung und TTV-Last bei klinisch stabilen Patientinnen und Patienten ein Jahr nach Nieren­transplantation.

Ist bei Leber­transplantations­patientinnen und -patienten mit hepatozellulärem Karzinom (HCC) eine längere Therapie mit Sirolimus effektiv? Prof. Pratschke berichtete in diesem Zusammen­hang über eine explorative Analyse der SiLVER-Studie, die bestätigen konnte, dass eine längere Ein­nahme von Sirolimus das Sterberisiko bei HCC signifikant reduziert. Erfahren Sie im Vortrag von Prof. Pratschke, welche Patientinnen und Patienten den größten Nutzen in Bezug auf Gesamt­überleben, krankheits­freies Überleben und HCC-Rezidiv­risiko hatten.

Immun­checkpoint-Inhibitoren – Nieren­transplantation, Sicher­heit, Wirk­sam­keit

Bei malignen Haut­tumoren erleiden 42 % der Patientinnen und Patienten nach Nieren­transplantation unter der Behandlung mit Immun­checkpoint-Inhibitoren eine Transplantat­abstoßung, bei ca. zwei Drittel kommt es zu einem Transplantat­verlust oder zur Dialyse­pflicht. Zu diesen Ergebnissen kam eine retrospektive Multicenter-Studie, deren Ergebnisse Prof. Schwenger beschrieb und wichtige Hinweise für die Inter­pretation gab.

Xenotransplantation – Sind 4GM GHR-KO Schweine die Lösung?

Die Xeno­transplantation ist weiterhin auf einem Erfolg versprechenden Weg. Bislang konnte ein Langzeit­überleben von bis zu 195 Tagen nach orthotoper Transplantation gen­technisch veränderter Schweine­herzen in Pavianen erreicht werden. Für eine längere Überlebens­dauer müssen jedoch Schweine und ihre Organe ähnlich wachsen wie bei Primaten. Eine aktuelle spannende Studie versuchte diese Problematik mithilfe eines Rezeptor­knockouts des Wachstums­rezeptors (GHR, growth hormone receptor) zu lösen. Ob das funktioniert hat, griff PD Dr. Banas in ihrem Vortrag auf.

Corona-Impfung – viel hilft viel

Mehr als zehn Monate sind mittler­weile vergangen, seitdem die EU-Kommission dem ersten COVID-19-Impf­stoff die europa­weite Zulassung erteilt hatte. Deshalb ist es nicht über­raschend, dass das Thema Auf­frischungs­impfung – besonders bei Risiko­patientinnen und -patienten – immer häufiger diskutiert wird. Auch für die Referentin und die Referenten war das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer dritten Corona-Impfung ein wichtiges Thema.

Insgesamt wurden vier unterschiedliche Studien vorgestellt, die alle ein einheitliches Fazit zogen: Booster-Impfungen bei Transplantationspatientinnen und -patienten erscheinen sehr sinnvoll.


 

Die vollständige Chiesi News Hour mit den Vorträgen von Prof. Dr. Schwenger, Prof. Dr. Pratschke und PD Dr. Banas können Sie sich auf der Webseite der Chiesi GmbH im Video ansehen.

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Redaktion transplant campus