Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 25.02.2021

DTG 2020: Transplantation und Haustiere – passt das zusammen?

Darf ich als Transplantationspatient ein Haustier halten oder nicht? Diese Frage beschäftigt viele Transplantatempfänger und ihre Familien. Einige Antworten auf diese Frage bot ein interessanter Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Transplantationsmedizin (DTG).

Erhöhtes Infektionsrisiko von transplantierten Patienten

Patienten nach einer Transplantation sind wegen der nötigen Immunsuppression einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Das Infektionsrisiko ist in der Frühphase direkt nach der Transplantation am höchsten, danach nimmt es zwar ab, in der Spätphase nach Transplantation bleibt jedoch ein geringes, aber konstantes Risiko bestehen, erklärte Prof. Andreas Zuckermann, Herzchirurgie Universitätsklinikum Wien, in seinem DTG-Vortrag „Haustiere nach Herztransplantation“ (1).

Häufige Zoonosen

Die meisten im Herztransplantationsregister Wien detektierten Infektionen sind bakteriell bedingt (67%), gefolgt von viralen (25%), fungalen (5%) und anderen Infektionen (3%). Das Erregerreservoir bei von Tieren auf den Menschen übertragenen Infektionen (Zoonosen) bilden Wildtiere sowie Haus- und Nutztiere. Häufige durch Haustiere auf den Menschen übertragene Infektionen sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Zu den häufigsten in Österreich gehaltenen Haustieren zählen laut Daten aus 2019 Katzen (n = 1.800.000), Hunde (n = 640.000), gefolgt von Zwerghasen (190.000), Nagetieren (Meerschweinchen, Goldhamster, Mäuse – insgesamt 320.000), Fischen (240.000 Aquarien), Ziervögeln (n = 240.000) und Reptilien (n = 135.000). In Deutschland liegen die Zahlen vermutlich um das 10fache höher, so Zuckermann. Dazu kommen 4 bis 5 Millionen landwirtschaftliche Nutztiere in Österreich.

Tabelle 1: Häufige durch Haustiere auf den Menschen übertragene Infektionen

Tierart  Infektionen
Hunde   
  • Leptospirose (Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien, Erbrechen)
  • Brucellose (Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien)
Katzen
  • Katzenkratzkrankheit (Bartonella: Lymphknotenschwellung, Abszesse)
  • Toxoplasmose (ZNS, Herzrhythmusstörungen, Fieber)
  • Q-Fieber (Coxiella burnetii: Fieber, Schüttelfrost)
Vögel
  • Psittakose (Pneumonie, Kopfschmerzen, Fieber)
  • Kryptokokkose (Pilzinfektion: Pneumonie, ZNS-Infekt > 80% tödlich)
Fische
  • Mycobakterium marinum: Verwandter der Tuberkulose (ähnliche Symptome und Verlauf)

 

Restriktive Empfehlungen zur Haustierhaltung

Die Empfehlungen zum Halten von Haustieren bei Transplantation sind je nach Transplantationszentrum sehr unterschiedlich, berichtete Zuckermann und zeigte Auszüge aus den Empfehlungen des Transplantationszentrums der Charité Berlin, die von der Kombination Haustier und Transplantation aus folgenden Gründen abrät:

  • Die Kombination Haustier und Transplantation passt leider in keinem Fall zusammen, auch wenn das sicherlich vielen Betroffenen schwerfällt.
  • Dabei ist keine Tierart besser „verträglich“ ist als eine andere.
  • Katzen und Vögel sind besonders „unverträglich“, da sich in den Exkrementen viele Erreger verstecken können, die bei Immungesunden keine Probleme bereiten, aber unter Immunsuppression verheerende Folgen haben können.
  • Neben Haustieren sind auch wild lebende Tiere gefährlich, beispielsweise Tauben oder wild lebende Nagetiere, die ebenfalls potentiell bedrohliche Erreger übertragen können.
  • Aus diesem Grund sind auch bestimmte Berufe, bei denen man Umgang mit Tieren hat, nicht erlaubt (z. B. Tierpfleger, Tierhandlung).

Liberaleres Vorgehen

In Österreich sind die Empfehlungen zur Tierhaltung von immunsupprimierten Patienten anders, erläuterte Zuckermann. Am Herztransplantationszentrum Wien wird Transplantationspatienten nicht grundsätzlich von der Haustierhaltung abgeraten, wenn man sich auf bestimmte Tierarten konzentriert und einige Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden (siehe Infokasten Empfehlungen zur Tierhaltung).

Empfehlungen zur Tierhaltung von immunsupprimierten Patienten am Herztransplantationszentrum Wien

  • Nur gesunde Tiere halten (am besten Katzen oder Hunde), neue Haustiere erst ≥ 1 Jahr nach der Transplantation anschaffen, um das Risiko von Pathogenen zu reduzieren).
  • Keine Vögel, Reptilien oder Nagetiere: Diese haben ein höheres Risiko für seltene humanpathogene Keime und es gibt keine Impfungen und kein Screening.
  • Kastration der Tiere, um Fremdkontakt mit anderen Tieren zu vermeiden.
  • Unbedingt die jährlichen Kontrollen beim Tierarzt einhalten (Impfungen, Entwurmen etc.).
  • Tiere im Haus halten, kein Streunen, Kontakt mit anderen Tieren meiden.
  • Bei Flohbefall sofort behandeln, da Infektionen übertragen werden können.
  • Tiere nicht mit rohem Fleisch füttern, um deren Kolonisierung mit Pathogenen zu minimieren.
  • Körperlichen Kontakt mit Tieren nicht übertreiben (kein Schmusen), kein Besuch von Streichelzoos.
  • Tierexkremente (Katzenklo) entweder von anderen Haushaltsmitgliedern entfernen lassen oder nur mit Handschuhen arbeiten.
  • Regelmäßiges Händewaschen!!!
  • Im ersten Jahr nach der Transplantation Kontakt eher meiden oder reduzieren und keine neuen Tiere anschaffen.

Weitere Tipps

Abschließend gab Zuckermann noch einige zusätzliche Tipps aus seiner eigenen Erfahrung, die beim Umgang von Transplantierten mit Haustieren beachtet werden sollten:

  • Hände nach jedem Tierkontakt waschen/desinfizieren.
  • Mundschutz beim Ausräumen von Ställen/Käfigen tragen.
  • Kein zu enger Kontakt (Gesicht, Mund).
  • Vorsicht bei Kratzern und Bissen – sofort Kontakt mit dem Zentrum aufnehmen.
  • Tierhaltung mit den Patienten im Zentrum besprechen!
  • Bei Infektionsverdacht: Sofortige Kontrolle und Information über die Tierart, um eine rasche Diagnose zu stellen.

Viele der Herztransplantationsempfänger in Wien sind Hundebesitzer, so Zuckermann – dies hat einen wichtigen Vorteil, nämlich dass die Tiere für regelmäßige Bewegung der Patienten sorgen.

Literatur

  1. Zuckermann A. Tiere nach Transplantation. Vortrag im Rahmen der DTG-Sitzung „Was die Betroffenen / Angehörigen beschäftigt“, 15.10.2020

    Autor: Redaktion transplant campus

    Autor: Redaktion transplant campus

    Kommentare (0)

    Keine Kommentare gefunden!

    Neuen Kommentar schreiben