Autor: Redaktion transplant campus - Datum: 15.06.2020

Lesetipp: Regulatorische Zelltherapie bei Organtransplantation

Eine internationale Studie, deren Ergebnisse vor kurzem in der Fachzeitschrift Lancet erschienen, hat die Verträglichkeit neuartiger Ansätze für die Zelltherapie bei Nierentransplantationen untersucht. Mit einer neuartigen Zelltherapie konnte die immunsuppressive Behandlung bei rund 40% der Patienten nach Nierentransplantation reduziert werden und Nebenwirkungen wie Virusinfektionen konnten vermieden werden.

Regulatorische Zellprodukte

Um die Transplantatabstoßung zu verhindern, werden üblicherweise Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Allerdings können auch Immunsuppressiva eine spätere Abstoßung nicht gänzlich ausschließen. Hinzu kommen oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit könnte hier die Zelltherapie bieten: Als sogenannte regulatorische Zellprodukte werden bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und dann zur Infusion bei Organempfängern verwendet. So soll eine selbsterhaltende Immunregulation wiederhergestellt werden.

In der so genannten „ONE-Studie“ hat ein internationaler Forschungsverbund - darunter Wissenschaftler des Universitätsklinikums Regensburg und der Charité Berlin - die Sicherheit und Wirksamkeit der Zelltherapie bei Nierentransplantationen untersucht sowie deren Einfluss auf das Immunsystem getestet. In mehreren Zentren weltweit wurden hierfür verschiedene regulatorische Zellprodukte mit einem standardisierten Protokoll entwickelt und dann in getrennten klinischen Studien untersucht. Die Ergebnisse sind laut einer Mitteilung der Charité im Fachblatt The Lancet erschienen. (1, 2)

Zelltherapie verglichen mit Standard-Immunsuppression

Die Zelltherapien wurden vor oder nach einer Nierentransplantation angewendet und umfassten regulatorische T-Zellen und Makrophagen sowie dendritische Zellen, die entzündungshemmende Botenstoffe produzieren. Die gebündelten Ergebnisse wurden dann mit einer Gruppe von Patienten verglichen, die eine Standardbehandlung mit Immunsuppressiva erhielten. Die Patienten wurden über weitere 60 Wochen betreut und untersucht.

„Mit der neuen Zelltherapie konnte die immunsuppressive Behandlung in etwa 40 Prozent der Patienten vermindert und so das Risiko für Nebenwirkungen minimiert werden.“, so die Erstautorin der Studie, Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum, in der Mitteilung der Charité. Zugleich erwiesen sich die regulatorischen Zellen als eine ebenso sichere Behandlung wie die üblichen Medikamente und führten nicht häufiger zu akuten Abstoßungen. „Besonders beeindruckend“, findet Prof. Sawitzki auch, „dass keiner der Patienten nach Verabreichung der regulatorischen Zellen an einer Infektion mit gefährlichen Herpesviren erkrankte, die nach einer Transplantation oft zu Komplikationen führen.“

Im Rahmen des Immunmonitorings konnte beobachtet werden, dass die Patienten vor der Transplantation eine veränderte Zusammensetzung der Immunzellen aufwiesen, und ihr Normalzustand durch die regulatorischen Zellen deutlich besser als durch eine Standardtherapie wiederhergestellt werden konnte. Die neue Zelltherapie biete damit neue, sichere Therapiemöglichkeiten, mit denen die Dosierung der üblichen immunsuppressiven Medikamente reduziert und das Risiko von Virusinfektionen gesenkt werden kann. Weitere größere Studien sollen folgen, um die Wirksamkeit der regulatorischen Zelltherapie zu bestätigen.

Hier gelangen Sie direkt zur Studie in der Zeitschrift Lancet: Regulatory cell therapy in kidney transplantation (The ONE Study): a harmonised design and analysis of seven non-randomised, single-arm, phase 1/2A trials (1)

Literatur

  1. Sawitzki B et al. Regulatory cell therapy in kidney transplantation (The ONE Study): a harmonised design and analysis of seven non-randomised, single-arm, phase 1/2A trials.
    Lancet 2020; 395:1627-1639.
  2. Weniger Komplikationen nach Organtransplantation. Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, idw-online.de/de/news749145

          Autor: Redaktion transplant campus

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