Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 10.05.2022

Schweinevirus bei verstorbenem Xenotransplantations-Patienten entdeckt

Der 57-jährige Mann, dem weltweit zum ersten Mal ein genetisch verändertes Schweineherz transplantiert wurde, war mit einem porcinen Cytomegalievirus infiziert.

Weltweit erste Transplantation eines Schweineherzens in einen Menschen

Anfang 2022 hatten Ärzte des University of Maryland Medical Center in Baltimore einem 57-jährigen  Amerikaner mit terminaler Herzerkrankung, der für eine konventionelle Transplantation nicht geeignet war,  ein genmodifizertes Schweineherz transplantiert. Nach der Operation funktionierte das transplantierte Herz mehrere Wochen lang sehr gut, ohne dass es Anzeichen einer Abstoßung gab. Etwa 40 Tage nach der Xenotransplantation verschlechterte sich der Zustand des Patienten jedoch und er verstarb zwei Monate nach der Transplantation, ohne dass die genaue Todesursache klar war.

Das Spenderschwein stammte aus einem genetischen Zuchtprogramm der US-amerikanischen Firma Revivicor. Bei dem Schwein wurden insgesamt 10 Gene verändert, um akute Abstoßungen zu verhindern, die Immunakzeptanz zu verbessern und ein übermäßiges Wachstum des Herzens zu verhindern. Der Mann erhielt zudem starke Immunsuppressiva zur Prävention einer Abstoßungsreaktion.

transplant campus berichtete:

Erste Xenotransplantation eines Schweineherzens in einen Menschen.
Update: Patient einen Monat nach Xenotransplantation eines Schweineherzens wohlauf
Xenotransplantation: Patient stirbt zwei Monate nach Transplantation eines Schweineherzens

Ein Schweinevirus als mögliche Todesursache

Mittlerweile gibt es Hinweise für eine Virusinfektion als mögliche Todesursache, wie u. a. MIT Technology Review berichtete. Die Webseite verweist dabei auf ein Online-Webinar der American Society of Transplantation, bei dem der Chirurg Bartley Griffith, der das Schweinherz transplantiert hatte, von der Entdeckung des Schweinevirus und den Bemühungen, es zu bekämpfen, berichte. Das Herz war von einem porcinen Cytomegalovirus befallen. (1)

Diese Infektion könnte zum Tod des Patienten beigetragen haben. Der Operateur Griffith sagte der New York Times, dass es jedoch unklar sei, ob das Virus direkt für den Tod des 57-Jährigen im März verantwortlich war. Es könne auch sein, dass es sich still verhalten und keine Auswirkungen auf den Patienten gehabt habe. Die Zeitung USA Today zitierte dagegen einen weiteren Mediziner der Universität Maryland mit den Worten, das Virus könnte einer mehrerer Faktoren sein, die letztendlich zum Tod führten. Das Organ wurde laut New York Times mehrfach auch nach Viren untersucht, die den Patienten hätten infizieren können. Die durchgeführten Virentests seien allerdings nur darauf ausgelegt gewesen, aktive Erreger zu finden. Dies sei bei dem gefundenen Cytomegalovirus scheinbar nicht der Fall gewesen. (2)

Nach der Transplantation wurde der Patient engmaschig überwacht, u. a. mit einem neuartigen Test, der die Spuren von Hunderten von Bakterien und Viren im Blut nachweisen kann. Dieser Test war erstmals am 20. Tag nach der Transplantation ganz leicht positiv für das porcine Cytomegalievirus. Ab Tag 43 entwickelte der Patient dann deutliche Zeichen einer Infektion. Diese wurde mit Cidofovir behandelt, einem Virustatikum, das auch zur Therapie einer Cytomegalievirus-Infektion bei AIDS-Patienten eingesetzt wird. Darüber hinaus erhielt der Patient intravenöse Immunglobuline, die sein Abwehrsystem stärken sollten. Dennoch verstarb der Patient. Eine Abstoßungsreaktion als Todesursache schlossen die Forscher aus, da eine Herzmuskelbiopsie an Tag 34 unauffällig war. (1)

Porcines Cytomegalievirus - ein bekanntes, aber vermeidbares Problem

Bei der Schweinecytomegalie handelt sich um eine eigentlich vermeidbare Infektion, die verheerende Auswirkungen auf Transplantate hat. Bei Schweinen wird das Virus durch das Immunsystem normalerweise in Schach gehalten. Im menschlichen Körper kann es jedoch Abwehr-Prozesse in Gang setzen, die das Transplantat und den Patienten schädigen können - mit katastrophalen Folgen.

MIT Technology Review zitiert in diesem Zusammenhang Joachim Denner vom Institut für Virologie an der Freien Universität Berlin. Er und sein Forscherteam hatten vor zwei Jahren berichtet, dass Schweineherzen, die Pavianen transplantiert wurden, bei Vorhandensein des Virus nur ein paar Wochen überlebten, während Organe, die nicht infiziert waren, mehr als ein halbes Jahr überleben konnten. Dabei sei eine "erstaunlich hohe" Viruslast aufgetreten. (1, 2) Das Virus könnte nicht nur deshalb "verrückt spielen", weil das Immunsystem der Paviane mit Medikamenten unterdrückt wurde, sondern auch, weil das Immunsystem der Schweine nicht mehr da war, um das Virus in Schach zu halten. Es sei sehr wahrscheinlich, dass dasselbe auch beim Menschen passieren kann, warnten sie damals.

Die Lösung des Problems sei eine genauere Prüfung der Schweine auf Viren, so Denner. Das US-Team scheint die Schweineschnauze auf das Virus getestet zu haben, aber oft lauert es tiefer im Gewebe. "Es ist ein latentes Virus und schwer zu entdecken. Aber wenn man das Tier besser testet, wird das nicht passieren. Das Virus kann nachgewiesen und leicht aus Schweinepopulationen entfernt werden". (1)

Denner bewertet das Experiment nach wie vor als "großen Erfolg" auf dem Gebiet der Xenotransplantation. Laut Denner kann der Tod des Patienten nicht allein auf das Virus zurückgeführt werden. "Dieser Patient war sehr, sehr, sehr krank. Das darf man nicht vergessen", sagt er. "Vielleicht hat das Virus dazu beigetragen, aber es war nicht der einzige Grund." (1)

Literatur:

  1. The gene-edited pig heart given to a dying patient was infected with a pig virus. Beitrag auf MIT Technology Review vom 04.05.2022
  2. Gestorbener Patient mit Schweineherz: Schweinevirus entdeckt. Süddeutsche Zeitung am 06.05.2022
  3. Denner J et al. Impact of porcine cytomegalovirus on long-term orthotopic cardiac xenotransplant survival. Sci Rep 2020; 10:17531

    Autor: Redaktion transplant campus

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