Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 12.08.2021

Überarbeitete S3-Leitlinie zur Hepatitis B erschienen

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten hat ihre Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Infektion aktualisiert. Ein ausführliches Kapitel widmet sich dem Management von Patienten mit HBV-Infektion vor und nach einer Organtransplantation.

Umfassende Überarbeitung der Leitlinie Hepatitis B

Laut Robert Koch-Institut (RKI) gehört Hepatitis B zu den am weitest verbreiteten Infektionskrankheiten weltweit. In Deutschland ist eine Hepatitis B relativ selten, im Jahr 2019 wurden dem RKI insgesamt 8903 Fälle gemeldet. Man kann jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen, wie die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) meldet. (1, 2)

Vor kurzem hat die DGVS die S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Infektion aktualisiert. Auch wenn eine Hepatitis B in Deutschland selten ist, scheint die Dunkelziffer hoch zu sein. Wird die Erkrankung früh erkannt, ist sie fast immer kontrollierbar. Bei der Überarbeitung der Leitlinie wurde deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Screening- und Diagnostik-Empfehlungen gelegt, aber auch die Therapie-Empfehlungen wurden umfassend überarbeitet.

„Die letzte Leitlinien-Veröffentlichung fand 2011 statt, sodass eine Überprüfung und Aktualisierung nun dringend erforderlich wurden. Wir haben165 Empfehlungen aus sieben verschiedenen Bereichen erneut beurteilt, auf ihre weitere Gültigkeit hin überprüft und entsprechend der aktuellen Evidenzlage adaptiert oder neu erstellt“, erklärt Professor Dr. med. Markus Cornberg, Koordinator der S3-Leitlinie. Die Aktualisierungen umfassen alle Bereiche der Leitlinie: von Diagnostik, über Therapie bis hin zur Organtransplantation und der Therapie von Kindern und Jugendlichen.

Infektionen mit Hepatitis-B-Viren (HBV) im Zusammenhang mit Organtransplantationen

Wie ist das Management von Patienten mit HBV-Infektion vor und nach Lebertransplantation? Wie erfolgt die Reinfektionsprophylaxe? Wie ist das therapeutische Vorgehen bei nachgewiesener HBV-Reinfektion? Diese und weitere Fragen werden in einem eigenen Kapitel ausführlich beantwortet. Neben der Lebertransplantation werden auch Empfehlungen für Patienten vor und nach Transplantation anderer Organe inkl. Stammzelltransplantation erläutert. Zudem gibt die Leitlinie Empfehlungen zum Management von Patienten, die ein Organ eines Hepatitis-B-positiven Spenders erhalten, sowie zum Impfen.

HBV-Reinfektionsprophylaxe nach Lebertransplantation

Eine wichtige Änderung beim Management von organtransplantierten Patienten betreffen die Empfehlungen zur Vorbeugung einer Reinfektion des Spenderorgans nach Lebertransplantation, wie Comberg und Kollegen in einem Editorial berichten. (3) Hier soll eine duale Prophylaxe mit Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) und einem hochpotenten Nukleosid-/Nukleotidanalogon (NA) erfolgen. Dies war in dieser Form bereits in der vorherigen Leitlinie aufgeführt.

Neu ist, dass diese Kombinationsprophylaxe nicht mehr zwingend unbegrenzt empfohlen wird. Anhand prospektiver Studiendaten konnte belegt werden, dass nach initial effektiver dualer Prophylaxe (HBsAg negativ, Anti-HBs positiv, HBV-DNA negativ) die Prophylaxe mit einer alleinigen oralen Therapie mit einem potenten NA ebenso effektiv ist wie die bisher etablierte lebenslange Kombinationsprophylaxe.

Als Risikofaktoren für eine Reinfektion unter NA-Monoprophylaxe wurde neben einer hohen HBV-DNA zum Transplantationszeitpunkt auch das Vorliegen einer Koinfektion mit Hepatitis D oder HIV oder eines hepatozellulären Karzinoms vor Transplantation identifiziert. In diesen Fällen sollte die Kombinationsprophylaxe fortgeführt werden.

Literatur:

  1. Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Neue Diagnostik-, Therapie- und Screening-Empfehlungen: Überarbeitete S3-Leitlinie zur Hepatitis-B-Virusinfektion erschienen. Pressemitteilung im Juli 2021
  2. Cornberg M et al. S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion (AWMF-Register-Nr. 021-11). Z Gastroenterol 2021; 59: 691–776.
  3. Sandmann L et al. Die wichtigsten Änderungen der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion im Überblick. Z Gastroenterol 2021; 59: 641–643.

 

 

Autor: Redaktion transplant campus

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