Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 04.02.2021

Transplantationskohorte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) wurde eine Kohorte etabliert, die eine Grundlage für Forschungen im Problembereich "Infektionen nach Transplantation" bietet: Die Transplantationskohorte des DZIF stellt umfassende medizinische Daten und biologische Proben von transplantierten Patienten in ganz Deutschland zur Verfügung.

DZIF-Transplantationskohorte mit derzeit mehr als 1500 Patienten

Die DZIF-Transplantationskohorte wurde 2014 eingerichtet und enthält derzeit 21.025 Blutproben und 6.605 weitere Bioproben; insgesamt konnten bisher 1.661 Patientinnen und Patienten in die Datenbank aufgenommen werden. Dazu gehören Empfänger von Organen wie Herz, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse sowie von Stammzellen. Transplantierte Patientinnen und Patienten haben aufgrund der immunsuppressiven Therapie ein hohes Risiko für schwere Infektionen. Daten aus anderen Registerstudien wie der Swiss Transplant Cohort Study zeigen, dass Infektionen bei bis zu 52 Prozent aller Todesfälle nach einer Organtransplantation als ursächlich gelten. Bis 2023, so das Ziel der Beteiligten, sollen 3500 Patientinnen und Patienten in die Kohorte eingeschlossen und bis mindestens 2025 nachverfolgt werden.

Risikofaktoren und Auswirkungen von Infektionen auf transplantierte Organen besser verstehen

Eine aktuelle Publikation beschreibt den Aufbau und die spezielle Zielsetzung der DZIF-Transplantationskohorte. „Wir müssen besser verstehen, wie es zu Infektionen kommt, welche Faktoren beim Spender und beim Empfänger eine Rolle spielen und wie man das Risiko verringern kann“ erklären  Dr. Daniela Schindler und Prof. André Karch, die Erstautoren der Untersuchung. Viel zu viele Fragen seien noch offen, der Forschungsbedarf sei nach wie vor groß. Mehr als 3.500 Organtransplantationen und 7.000 Stammzelltransplantationen werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt.

Hier gelangen Sie zur Originalpublikation: André Karch et al. The transplant cohort of the German center for infection research (DZIF Tx-Cohort): study design and baseline characteristics. Eur J Epidemiol 2021

Medizinischen Daten und Biomaterialien zum Infektionsgeschehen

Obwohl es viele etablierte Kohortenstudien und Register in der Transplantationsmedizin gibt, fehlte es bisher an Daten, die das Infektionsgeschehen genauer in den Blick nehmen, und an der Möglichkeit, diese Daten mit Probenmaterial zu kombinieren. „Die Gewinnung von medizinischen Daten und Proben, nicht nur zu festen Zeitpunkten, sondern auch im Falle einer Infektion, ist die besondere Stärke der DZIF-Transplantationskohorte“, betont Schindler, die das Projekt koordiniert.

Da mehrere Universitätskliniken und Transplantationszentren über das DZIF an der Kohorte beteiligt sind, können ausreichend viele Patientinnen und Patienten rekrutiert sowie Proben gesammelt werden. Nach der Aufnahme zum Zeitpunkt der Transplantation werden im ersten Jahr alle drei Monate medizinische Daten erhoben, anschließend jährlich. Dazu gehören Informationen zu Vorerkrankungen, bestehenden Infektionen, dem Verlauf der Transplantation, der Medikation und auftretenden infektiösen Ereignissen. Als Biomaterialien werden Blut-, Urin- und Stuhlproben in Biobanken nach höchsten Qualitätsstandards gesammelt.

Daten und Proben stehen auch externen Wissenschaftlern zu Forschungszwecken zur Verfügung

Diese Datenbasis steht nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem DZIF sowie externen Forscherinnen und Forschern für ihre Untersuchungen zur Verfügung. „Indem wir detaillierte Informationen zu den verwendeten Medikamenten zur Immunsuppression sammeln und die Komplikationen sowie die Behandlungen genau dokumentieren, bieten wir ein breites Spektrum an Forschungsmöglichkeiten in diesem Feld an“, erklärt Daniela Schindler. Zukünftige Studien mit Proben und Daten der Kohorte können beispielsweise bestimmte virale Infektionen mit Komplikationen bei den Transplantierten in Verbindung bringen und die langfristige Wirkung von antiviralen Therapien als Vorsorgemaßnahme untersuchen.

Literatur:

Quelle: Infektionsrisiken nach einer Transplantation vermeiden, Pressemeldung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) vom 26.01.2021

Autor: Redaktion transplant campus

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