Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 30.05.2022

Schweiz: Die Bevölkerung votiert mehrheitlich für die Einführung der Widerspruchslösung

Vor kurzem stimmte die Schweiz bei der Organspende für den Wechsel von der bisherigen Zustimmungslösung zu einer erweiterten Widerspruchslösung. Für die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. sollte diese Entscheidung Vorbildcharakter für Deutschland haben.

Mitte Mai 2022 stimmte die Schweizer Bevölkerung in einer Volksabstimmung über den Wechsel von der bisherigen Zustimmungslösung zur erweiterten Widerspruchslösung in der Organspende ab: Mehr als 60% der stimmberechtigten Bevölkerung hat auf der Grundlage der in der Schweiz etablierten direkten Demokratie für die Einführung der Widerspruchslösung gestimmt und damit ein beeindruckendes Signal pro Organspende ausgesendet. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V. (DGCH) kommentiert diese Entscheidung in einer leidenschaftlichen Pressemitteilung und plädiert dafür, eine Änderung des Transplantationsgesetzes mit einer erweiterten Widerspruchslösung auch in Deutschland noch einmal auf die politische Agenda zu setzen. (1)

Deutschland sei nun im wahrsten Sinne des Wortes „umzingelt“ von Ländern, in denen die erweiterte Widerspruchslösung die Organspende gesetzlich regelt, und somit auch indirekt Einfluss auf die Verfügbarkeit von Spenderorganen nimmt. Vor ca. 2 Jahren habe das deutsche Parlament fraktionsübergreifend und in der Abstimmung ohne Fraktionszwang ein klares Votum gegen den Vorschlag  abgegeben, auch in Deutschland die Widerspruchslösung einzuführen. Gleichwohl sei nach Umfragen schon damals die Mehrheit der deutschen Bevölkerung für die Änderung des Transplantationsgesetzes gewesen. Zu viele Ängste, zu viele Bedenken, zu viel fehlgeleitete Information möge die Politikerinnen und Politiker damals zu ihrer Entscheidung bewogen haben, so die DGCH, aber vor allem wohl die (sachlich unbegründete) Befürchtung, dass mit der Widerspruchslösung die persönliche Entscheidungsautonomie verloren gehe und man automatisch zum Organspender würde.

Stattdessen sei ein Gesetz verabschiedet worden, das eine Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende durch Einführung eines Registers und eine intensivierte Informationskampagne durch die Behörden und die Hausärzte herbeiführen sollte. Die erwarteten Effekte seien nach Inkrafttreten dieses Gesetzes am 1. März 2022 noch nicht abzusehen. Laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) wurde zuletzt jedoch eine Reduktion der Organspendezahlen um fast 30% (Absinken der Zahl der Spender von 249 auf 176 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) beklagt, ein bundesweites Register warte noch immer auf seine Einrichtung und die Einwohnermeldeämter wie auch die Hausärzte fühlten sich in der Bewältigung der ihnen gestellten Aufgaben überfordert. Das sei laut DGCH nicht anders zu erwarten gewesen, denn woher sollten Behörden und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ohne die erforderlichen Schulungen die Fähigkeit zur kompetenten Beratung erhalten, und noch viel wichtiger, die Zeit finden, diese dann auch noch durchzuführen.

Für die parlamentarische Demokratie Deutschlands sollte das eindeutige Mehrheitsvotum der Schweizer Bevölkerung Aufforderung sein, trotz vieler anderer vorherrschender Probleme und Herausforderungen insbesondere in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die Reform des Transplantationsgesetzes mit Etablierung der erweiterten Widerspruchslösung politisch erneut auf die Agenda zu setzen. Jeder durch eine nicht rechtzeitig durchgeführte Transplantation vermeidbare Todesfall sei einer zu viel. Deshalb müsse auch in unserem Land wieder darüber diskutiert werden, wie wir endlich eine merkliche Verbesserung bei der Organspende herbeiführen können. Ein elementarer Schritt sei dabei sicherlich auch die Änderung des Transplantationsgesetzes. Dafür setze sich die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie an der Seite von Patienten, Angehörigen und vieler engagierten Transplantationsmediziner aller Fachdisziplinen ein.

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Literatur:

    1. Vorbild Schweiz: Die Bevölkerung votiert mehrheitlich für die Einführung der Widerspruchslösung Pressemitteilung der DGCH vom 23.05.2022 auf idw-online.de

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