Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 11.03.2022

Xenotransplantation: Patient stirbt zwei Monate nach Transplantation eines Schweineherzens

Der 57-jährige Mann, dem weltweit zum ersten Mal ein genetisch verändertes Schweineherz transplantiert wurde, ist zwei Monate nach der Xenotransplantation verstorben.

Weltweit erste Transplantation eines genetisch modifizierten Schweineherzens in einen Menschen

Anfang des Jahres hatten Ärzte des University of Maryland Medical Center in Baltimore einem Mann ein genmodifizertes Schweineherz transplantiert. Auch vier Wochen nachdem Patient das Transplant erhalten hatte, ging es ihm gut. Nach der Operation funktionierte das transplantierte Herz mehrere Wochen lang sehr gut, ohne dass es Anzeichen einer Abstoßung gab. Der Patient konnte Zeit mit seiner Familie verbringen und an einer Physiotherapie teilnehmen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Das Verfahren hat weltweit Aufsehen erregt. Der 57-jährige Patient litt an einer Herzerkrankung im Endstadium und war nicht geeignet für eine Herztransplantation. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte eine Notfallgenehmigung für die Xenotransplantation. Das genetisch veränderte Schweineherz war die einzige verfügbare Option für den Patienten. Er wurde damit zum erste Menschen weltweit, dem ein  Schweineherz eingesetzt wurde.

transplant campus berichtete:
Erste Xenotransplantation eines Schweineherzens in einen Menschen
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Update: Patient einen Monat nach Xenotransplantation eines Schweineherzens wohlauf

Patient zwei Monate nach der Xenotransplantation gestorben

Nun teilte die Universität Maryland mit, dass der Patient verstorben ist. Insgesamt hatte er zwei Monate mit dem Xenotransplantat gelebt. Vor einigen Tagen begann sich sein Zustand zu verschlechtern. Nachdem klar wurde, dass er sich nicht mehr erholen würde, wurde er palliativmedizinisch betreut. In seinen letzten Stunden konnte er mit seiner Familie kommunizieren. Das behandelnde Ärzteteam zeigte sich erschüttert über den Verlust des Patienten und dankte ihm und seiner Familie: "Er war ein mutiger und edler Patient, der bis zum Schluss gekämpft hat", sagte Prof. Bartley P. Griffith, der das Schweineherz in den Patienten transplantiert hatte.

"Wir haben unschätzbare Erkenntnisse darüber gewonnen, dass das gentechnisch veränderte Schweineherz im menschlichen Körper gut funktionieren kann, während das Immunsystem angemessen unterdrückt wird", so Dr. Mohiuddin, wissenschaftlicher Leiter des Xenotransplantationsprogramms. "Wir sind weiterhin optimistisch und planen, unsere Arbeit in zukünftigen klinischen Studien fortzusetzen."

Herzchirurgen bewerten den Eingriff dennoch als Erfolg

Auch in Deutschland wird intensiv im Bereich der Xenotransplantation geforscht. Vor kurzem berichtete Prof. Dr. Eckhard Wolf vom Genzentrum der LMU München in einem  transplant campus Interview über die enormen Entwicklungen in der Xenotransplantation von Schweineherzen: Fortschritte in der Xenotransplantation.

Die Herzchirurgen Prof. Bruno Reichart und Prof. Paolo Brenner von der LMU München gehören zusammen mit Prof. Wolf zu den führenden Wissenschaftlern in der Forschung mit tierischen Spenderorganen. Die beiden Chirurgen bewerten die erste Schweineherz-Xenotransplantation auch nach dem Tod des Patienten als großen Erfolg. Es sei ein sehr gutes Ergebnis, dass der Patient trotz Vorerkrankungen und zusätzlicher Komplikationen während der Operation zwei Monate überlebt habe, teilten sie der Deutschen Presse-Agentur mit.

Bei der Operation sei es durch einen Aorten-Einriss zu einer schweren Komplikation gekommen, wodurch sich die Operationszeit auf acht Stunden verlängert hatte. Die eigentliche Schweineherz-OP hatte nur vier Stunden in Anspruch genommen, was als chirurgische Meisterleistung zu sehen ist.

Für die Abstoßungsreaktion sei der erste Monat entscheidend. Alles, was über vier Wochen geht, sei als Erfolg zu werten. Der Tod des Patienten sei tragisch. Es sei ihm jedoch schon vor der Operation sehr schlecht gegangen, so dass ein menschliches Herz vermutlich nicht geholfen hätte. Wichtige weitere Schritte seien nun, die genaue Todesursache zu klären und eine Abstoßungsreaktion auszuschließen.

Auch nach dem Tod des Patienten geht die Forschung weiter. Das Münchner Team plane bereits erste klnische Studien zur Xenotransplantation von Schweineherzen in der nächsten Zeit. Ein individueller Heilversuch an einem unheilbar kranken Patienten wie in den USA sei möglicherweise in einem halben Jahr bis Jahr denkbar. Zudem sei eine klinische Studie mit fünf bis sechs Patienten in Planung, für die schon eine entsprechende Zulassung beim Paul-Ehrlich-Institut beantragt sei. Voraussichtlicher Beginn sei in 2024.

Literatur:

  1. IN MEMORIAM: David Bennett, Sr. Mitteilung der University of Maryland School of Medicine vom 09.03.2022

    Autor: Redaktion transplant campus

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