Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 01.02.2022

Lesetipp: Lungentransplantation bei COVID-19 in den USA

Von August 2020 bis September 2021 wurden in den Vereinigten Staaten etwa 7 % der Lungentransplantationen bei Patienten mit schweren, irreversiblen Lungenschäden durch COVID-19 durchgeführt. Eine erste Auswertung dieser Daten aus dem UNOS-Registers zeigt vielversprechende Ergebnisse.

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie gab es einige Fallberichte über Lungentransplantationen bei Patienten mit respiratorischer Insuffizienz im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion. Bisher herrschte jedoch in vieler Hinsicht Unsicherheit, z. B. welche Patienten für eine Lungentransplantation in Frage kommen, wie das klinische Outcome ist und ob eine Lungentransplantation bei COVID-19 tatsächlich eine geeignete Therapiemaßnahme darstellt.

Eine Auswertung des UNOS-Registers im New England Journal of Medicine liefert hier jetzt neue Erkenntnisse. Sie zeigt, dass Patienten, die wegen einer COVID-19-Erkrankung eine Lungentransplantation erhielten, vergleichbar gute Ergebnisse hatten wie Patienten, die aufgrund einer anderen Erkrankung lungentransplantiert wurden. (1, 2)

COVID-19: Lungentransplantation bei akutem Atemnotsyndrom oder Lungenfibrose

Analysiert wurden alle Lungentransplantationen, die von August 2020 bis September 2021 durchgeführt und im Register des United Network for Organ Sharing (UNOS) erfasst wurden. Das UNOS-Register sammelt die Daten aller Transplantationspatienten in den teilnehmenden Regionen der Vereinigten Staaten.

  • Insgesamt fanden in dem Zeitraum 3039 Lungentransplantationen statt – 214 (7,0 %) davon wurden bei COVID-19-Patienten durchgeführt.
  • Die Gründe für die Lungentransplantation bei COVID-19-Patienten waren in 140 Fällen (4,6 %) ein akutes Atemnotsyndrom und in 74 Fällen (2,4 %) eine Lungenfibrose.

Beim akuten Atemnotsyndrom handelt es sich um eine akute Entzündung der Lunge, die zu einer verminderten Sauerstoffversorgung und Belüftung der Lunge führt. Bei einigen Patienten schreitet dies zu einer COVID-19-Lungenfibrose fort, die zu einer Vernarbung der Lunge führt und im Allgemeinen irreversibel ist.

Eine Lungentransplantation wird bei COVID-19 erst durchgeführt, wenn ein Patient die akute Infektion überstanden haben, sich die Lungen aber nicht erholen. Die UNOS schreibt zwei negative bronchoalveoläre Lavagen vor einer Lungentransplantation vor.

Viele erhielten vor der Transplantation eine ECMO

Im Median fanden pro Zentrum 2,5 Lungentransplantationen aufgrund eines Covid-19-bedingten Lungenversagens statt. Den meisten Patienten (n =197, 92,1 %) wurden beide Lungenflügel transplantiert. Bei zwei Patienten wurde eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation und bei sechs Patienten eine kombinierte Lungen-Nieren-Transplantation durchgeführt.

Für 183 Patienten lagen validierte Daten vor: Sie waren im Durchschnitt 52 Jahre alt, 20,8 % waren Frauen. Der mediane Lung-Allocation-Score lag im Mittel bei 87,5 Punkten von maximal 100 Punkten. Die durchschnittliche Wartezeit bis zur Transplantation dauerte 10 Tage.

Präoperativ benötigte mehr als die Hälfte der Patienten eine mechanische Beatmung (53 %) und mehr als zwei Drittel (64,5 %) eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Die ECMO wurde bei sorgfältig ausgewählten Patienten eingesetzt – entweder als Überbrückung bis zur Lungentransplantation oder bis sich die eigene Lunge erholt.

Die meisten COVID-19-Patienten erholten sich gut nach der Transplantation

„Die meisten dieser COVID-19-Patienten wären noch vor wenigen Jahren als zu krank für eine Transplantation eingestuft worden. Das überraschende Ergebnis der Untersuchung war, wie gut es ihnen nach der Lungentransplantation ging.“ erklärte Joanna Chikwe, eine Mitautorin der Untersuchung.

  • Die COVID-19-Patienten wurden im Median 1,9 Monate nachbeobachtet.
  • In dieser Zeit kam es zu 9 Todesfällen: Ein Patient verstarb an COVID-19, drei an Atemversagen, zwei aufgrund einer Transplantatabstoßung. Weitere Todesursachen waren eine Anoxie, eine gastrointestinale Infektion und eine Hyperammonämie.
  • Die 30-Tage-Sterblichkeit lag bei 2,2 % (4 Todesfälle) und die 3-Monats-Überlebensrate betrug 95,6 %.

Zu den postoperativen Komplikationen gehörten ein Schlaganfall bei 6 Patienten, der erneute Einsatz der ECMO bei 8 Patienten und eine Transplantatabstoßung bei 11 Patienten.

Zwar lässt die kurze Nachbeobachtungszeit keine eindeutigen Rückschlüsse auf den längerfristigen Nutzen einer Lungentransplantation bei COVID-19 zu. Zusammenfassend zeigt die Auswertung jedoch einen vielversprechenden möglichen Therapieansatz. Die 3-Monats-Überlebensrate bei den COVID-19-Patienten war vergleichbar mit Patienten, die wegen anderer Erkrankungen lungentransplantiert wurden, so die Autoren, und die Analyse deute darauf hin, dass eine Lungentransplantation eine akzeptable Option für ausgewählte Patienten mit irreversiblem Atemversagen durch COVID-19 sein kann.

Zum Artikel im New England Journal of Medicine: Lung Transplantation for Covid-19–Related Respiratory Failure in the United States

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Literatur:

  1. Roach A et al. Lung Transplantation for Covid-19–Related Respiratory Failure in the United States. N Engl J Med 2022; doi: 10.1056/NEJMc2117024. Online ahead of print.
  2. NEJM: New Data on COVID-19 Lung Transplants. Pressemitteilung des Cedars-Sinai Medical Center vom 26.01.2022

     

     

    Kommentare (0)

    Keine Kommentare gefunden!

    Neuen Kommentar schreiben