Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 17.03.2022

Lese-Tipp: Wissenschaftler ändern Blutgruppe in Spenderorganen

Aus A mach 0: Nach diesem Prinzip haben Forscher in einer Proof-of-Concept-Studie gezeigt, dass man mit Hilfe von Enzymen die Blutgruppen von Spenderlungen ändern kann.

Durch die Vorbehandlung von Spenderorganen mit zwei Enzymen, die die A-Antigene von der Zelloberfläche entfernen, könnte in Zukunft möglicherweise vor der Transplantation die Blutgruppe von Spenderorganen verändert werden, wie eine Proof-of-Concept-Studie jetzt in Science Translational Medicine zeigt. Diese Entwicklung könnte große Auswirkungen auf die Wartezeiten vieler Patienten haben. (1, 2)

Darmenzyme zur Umwandlung der Blutgruppen vor der Transplantation

Eine große Herausforderung bei der Lungentransplantation ist die Notwendigkeit eines AB0-Blutgruppenmatchings, was für einige Patienten die Möglichkeit einschränkt, ein lebensrettendes Transplantat zu erhalten. Patienten mit der Blutgruppe 0 sind potenzielle Spender für alle anderen Blutgruppen. Umgekehrt entwickeln Menschen mit der Blutgruppe 0 jedoch Antikörper gegen die Blutgruppen A und B, was bei diesen Patienten zu schweren Abstoßungsreaktionen führt. Empfänger mit der Blutgruppe 0 haben die längsten Wartezeiten auf ein Organ.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, verwendete das kanadische Forscherteam vom University Health Network in Toronto in einem präklinischen Versuch eine Kombination aus zwei Enzymen, um Lungen der Blutgruppe A vorzubehandeln und in Lungen der Blutgruppe 0 umzuwandeln. Die beiden Enzyme –FpGalNAc-Deacetylase und Fp-Galactosaminidase – wurden vor einigen Jahren im menschlichen Darm entdeckt und es wurde beschrieben, dass sie Erythrozyten der Gruppe A in Erythrozyten der Gruppe 0 verwandeln können.

Fast alle A-Antigene im Transplantat entfernt

Die Forscher behandelten zuerst Erythrozyten und Gewebeproben aus der Aorta im Labor mit den beiden Enzymen. Bei den Erythrozyten wurden mehr als 99 Prozent der A-Antigene entfernt, bei den Blutgefäßen kam es zu einem Rückgang um mehr als 90 Prozent.

Danach wurde das Prinzip mit Spenderlungen geprüft. Dazu entwickelten sie ein Ex-vivo-Lungenperfusionsgerät und verwendeten ein Perfusat, das die Spenderlungen mit der Enzymlösung durchspülte und gleichzeitig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgte. Innerhalb von etwa vier Stunden konnten über 97 % der endothelialen A-Antigene entfernt werden. Dabei wurde keine behandlungsbedingte akute Lungentoxizität beobachtet.

In einer Ex-vivo-Simulation der Transplantation zeigte sich eine geringere Ablagerung von Antikörpern und Komplement, was darauf hindeutet, dass diese Technik die antikörpervermittelte Schädigung in vivo verringern könnte.

Zusammengenommen haben diese Ergebnisse das Potenzial, die AB0-inkompatible Lungentransplantation zu erweitern und die Verteilungsgerechtigkeit bei der Organvergabe zu verbessern, so das Fazit der Autoren.

Weitere Informationen

Zum Artikel in Science Translational Medicine: Ex vivo enzymatic treatment converts blood type A donor lungs into universal blood type lungs

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Literatur:

    1. Wang A et al. Ex vivo enzymatic treatment converts blood type A donor lungs into universal blood type lungs. Sci Transl Med 2022 Feb 16;14(632):eabm7190
    2. Creating universal blood-type organs for transplant. Pressemitteilung des Universal Health Networks vom 16.02.2022

    Kommentare (0)

    Keine Kommentare gefunden!

    Neuen Kommentar schreiben