Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 30.11.2022

Refraktäre/resistente CMV-Infektion nach Transplantation: Erste Therapieoption zugelassen

Das Virostatikum Maribavir erhielt vor kurzem von der Europäischen Kommission die Marktzulassung für die Behandlung von erwachsenen Transplantationspatienten mit einer Cytomegalievirus (CMV)-Infektion oder -Erkrankung, die refraktär (mit oder ohne Resistenz) gegenüber früheren Therapien ist.

Die Europäische Kommission hat im November 2022 die Zulassung für das Virostatikum Maribavir erteilt. (1,2) Maribavir ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Transplantatempfängern nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) oder einer Transplantation solider Organe (SOT) mit einer CMV-Infektion und/oder CMV-Erkrankung, die refraktär (mit oder ohne Resistenz) (r/r) gegenüber einer oder mehrerer Vorbehandlungen ist – einschließlich einer Vorbehandlung mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet. (1)

Eine CMV-Infektion ist die bedeutendste virale Infektion nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation oder solider Organtransplantation. (3) Eine besondere Herausforderung ist dabei die Behandlung von Transplantatempfängern mit r/r CMV-Infektion/CMV-Erkrankung, für die es bislang keine zugelassene Therapieoption gab. (4,5) Maribavir ist nun die erste zugelassene Therapie zur Behandlung von erwachsenen Transplantatempfängern mit einer CMV-Infektion oder -Erkrankung, die r/r gegenüber früheren Therapien ist. (2)

Herausforderung refraktäre/resistente CMV-Infektion

Eine CMV-Infektion kann zu schweren Endorgankrankheiten (wie Nephritis, Hepatitis, Karditis), zu opportunistischen Infektionen sowie zu einer Graft-versus-Host-Erkrankung bei HSZT-Empfängern und zum Transplantatverlust bei SOT-Empfängern führen. (3) Zur Therapie und Prophylaxe stehen nur wenige zugelassene Virostatika zur Verfügung, die Schritte des viralen Replikationszyklus hemmen. Allerdings schränken renale und hämatologische Toxizitäten sowie das Risiko der Entwicklung von Resistenzen und Kreuzresistenzen die Anwendung dieser Substanzen ein. (4,6) Besonders herausfordernd ist die Behandlung von Transplantatempfängern mit r/r CMV-Infektion/CMV-Erkrankung, die häufig eine lange antivirale Therapie benötigen. (4)

Was ist Maribavir?

Maribavir ist ein Benzimidazolribosid und hemmt kompetitiv die pUL97-Proteinkinase, die an der viralen DNA-Replikation und der Verpackung sowie Ausschleusung der viralen Kapside aus dem Zellkern beteiligt ist. Maribavir ist oral gut bioverfügbar und zeigt eine spezifische antivirale Aktivität gegen CMV, inklusive Ganciclovir-, Foscarnet- und Cidofovir-resistenter Stämme. (3,4,7)

„Wenn das Cytomegalievirus nicht erfolgreich behandelt wird, stellt es eine Herausforderung für Transplantatempfänger und ihre Ärzte dar und führt häufig zu einer verstärkten Organabstoßung, höheren Krankenhausaufenthaltsraten und einer größeren Belastung der Gesundheitsressourcen“, so Dr. Luciano Potena, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Organtransplantation (ESOT). „Die Zulassung von Maribavir durch die Europäische Kommission erkennt den Bedarf an einem neuen antiviralen Ansatz für die Behandlung von CMV-Infektionen an, die refraktär (mit oder ohne Resistenz) gegenüber einer oder mehreren früheren CMV-Therapien sind.“ (2)

Wirksamkeit und Sicherheit von Maribavir bei r/r CMV-Infektion

Die Zulassung von Maribavir beruht auf Daten der klinischen Phase-III-Studie SOLSTICE. (4) Die multizentrische, aktiv kontrollierte, open-label Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Maribavir bei 352 HSZT- und SOT-Empfängern mit r/r CMV-Infektion. Diese wurden 2:1 randomisiert auf Maribavir (n = 235) oder auf eine vom Studienarzt zugewiesene konventionelle Virostatikatherapie (Ganciclovir, Valganciclovir, Foscarnet, Cidofovir als Monotherapie oder in Kombination, n = 117) und für 8 Wochen behandelt und weitere 12 Wochen nachbeobachtet. (4)

Am Ende der Behandlungsphase in Woche 8 erreichte unter Maribavir ein signifikant höherer Anteil der Patienten den primären Endpunkt einer CMV-Virämie-Clearance als unter konventioneller Virostatikatherapie (56 % vs. 24 %, p < 0,001). Zudem konnte ein höherer Anteil der mit Maribavir behandelten Patienten den wichtigsten sekundären Endpunkt – eine CMV-Virämie-Clearance und Symptomkontrolle in Woche 8 und Aufrechterhaltung bis Woche 16 – erreichen (19 % vs.10 %, p = 0,01). (4)

Als häufigste Nebenwirkung in der Maribavir-Gruppe wurden meist leichte und vorübergehende Geschmacksstörungen beobachtet (37 % vs. 3 %). Behandlungsbedingte Toxizitäten traten unter Maribavir seltener auf als in der Kontrollgruppe: Neutropenie 9 % vs. 34 % unter Ganciclovir/Valganciclovir und Nephrotoxizität 9 % vs. 21 % unter Foscarnet. (4)

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Literatur:

    1. European Medicines Agency. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/livtencity#authorisation-details-section (letzter Zugriff 30.11.2022)
    2. LIVTENCITY® (Maribavir) jetzt in Deutschland zugelassen – erste Therapieoption zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit refraktärer/resistenter Cytomegalievirus-Infektion nach Transplantation. Pressemitteilung der Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG vom 14.11.2022
    3. Stern A, Papanicolaou GA. Curr Infect Dis Rep 2019;21:45.
    4. Avery RK et al. Clin Infect Dis 2022;75:690-701.
    5. Gerna G et al. Expert Opin Pharmacother 2019;20:1429-1438.
    6. Gugliesi F et al. Microorganisms 2020;8.
    7. Papanicolaou GA et al. Clin Infect Dis 2019;68:1255-1264.


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