Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 25.11.2022

Erste Schweineherz-Xenotransplantation: Unerwartete EKG-Veränderungen

Forscher berichten auf der Tagung der American Heart Association über neue Erkenntnisse zur ersten Xenotransplantation eines Schweineherzens. Eine Analyse von Herzüberwachungssystemen zeigt unerwartete Veränderungen der Erregungsleitung des Herzens.

Weltweit erste Transplantation eines Xeno-Herzens in einen herzkranken Patienten

Zehn Monate nach der Transplantation des ersten gentechnisch veränderten Schweineherzens in einen menschlichen Patienten berichten Forscher der University of Maryland School of Medicine (UMSOM) über neue Erkenntnisse. Ihre jüngste Studie zeigt zum ersten Mal, dass in dem Schweineherz, das dem Patienten transplantiert wurde, unerwartete Veränderungen der Erregungsleitung im EKG auftraten. Die Ergebnisse wurden auf der Tagung der American Heart Association (AHA) vorgestellt wie die University of Maryland School of Medicine in einer Pressemeldung mitteilte. (1, 2)

Die Veränderungen im elektrische Leitungssystem des Herzens trugen nicht zum Versagen des Herzens nach zwei Monaten bei. Die neu gewonnen Informationen können aber bei künftigen Xenotransplantationen des Herzens helfen.

Auffällige EKG-Veränderungen

„Elektrische Signale in einem Schweineherz bewegen sich normalerweise sehr schnell, schneller als in einem menschlichen Herzen. Wir fanden jedoch heraus, dass sich die elektrischen Signale im transplantierten Schweineherz bei dem Patienten viel langsamer bewegten“, sagte Studienleiter Prof. Timm Dickfeld. „Manchmal bewegten sich diese Signale sogar langsamer, als wir es von einem menschlichen Herzen erwarten würden. Um es klar zu sagen: Sein Herzrhythmus war normal, nur die Zeit, die der Strom brauchte, um durch das Herz zu wandern, war verlängert.“

Seine Kollegen und er überwachten den Patienten nach der Transplantation täglich mit einem EKG. Die Forscher untersuchten dabei insbesondere PR-Intervall/QRS-Komplex und QT-Intervall. „Diese Befunde scheinen nicht mit einem pathologischen Ergebnis wie Herzversagen oder Anzeichen einer Abstoßung verbunden zu sein“, sagte Professor Bartley Griffith. Er hatte die Xenotransplantation durchgeführt. Laut Prof. Muhammad M. Mohiuddin, dem wissenschaftlichen Leiter des Xenotransplantationsprogramms am UMSOM, waren die genetischen Veränderungen, die am Schweineherz vorgenommen wurden, um die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung durch das Immunsystem zu verringern, nicht für die unerwarteten EKG-Befunde verantwortlich.

Echokardiographie vs. Herzkatheter

Weitere Wissenschaftler hatten bildgebende Untersuchungen des Herzens analysiert, die zur Überwachung der Herzfunktion und zur Feststellung von Anzeichen einer Abstoßung des Transplantats eingesetzt werden. Sie präsentierten auf der AHA-Tagung ein Abstract, aus dem hervorging, dass die Echokardiographie bei der Messung des Blutvolumens, das vom Schweineherz in den Rest des Körpers gepumpt wird, im Vergleich zu dem invasiveren Goldstandard-Verfahren, der Herzkatheteruntersuchung, gut funktioniert.  Dies sei eine beruhigende Nachricht und könnte bedeuten, dass bei künftigen Patienten, die Xenotransplantate erhalten, weniger invasive Überwachungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen, so Dr. Manjula Ananthram, Assistenzprofessorin für Medizin an der UMSOM. „Wir sind noch dabei, unsere Daten sorgfältig zu prüfen, um die beste Methode für die Überwachung der Funktion des transplantierten Schweineherzens zu ermitteln."

Das Forscherteam veröffentlichte seine ersten Ergebnisse über die Transplantation im Juni letzten Jahres im New England Journal of Medicine. (4) transplant campus berichtete: Erste Schweineherz-Xenotransplantation: Keine typische Abstoßungsreaktion

Die weltweit erste Xeno-Herztransplantation wurde am 7. Januar 2022 an der University of Maryland Medicine durchgeführt. Die Operation war die einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit für den 57-jährigen Patienten, der für eine herkömmliche Herztransplantation nicht in Frage kam und unter einer terminalen Herzinsuffizienz litt. Das Verfahren wurde von der US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) im Rahmen der erweiterten Zugangsregelung (compassionate use) genehmigt. Wenige Tage nach der Transplantation wurde er von der ECMO entwöhnt und nahm fast zwei Monate lang an einer aktiven Rehabilitation teil. Spenderherz funktionierte über mehrere Wochen gut, bevor es sich rapide verschlechterte und der Patient verstarb.

Autor: Redaktion transplant campus

Autor: Redaktion transplant campus

Literatur:

  1. Unexpected Electrical Changes Seen in First Successful Transplant of Genetically-Modified Pig Heart. Pressemitteilung der University of Maryland School of Medicine vom 14.11.2022
  2. Kagan C et al. EKG Appearance and Evolution of Baseline EKG-Characteristics in the Worldwide First Genetically Modified Porcine-to-Human Xenotransplant (“Pig Heart-in-Human Body”). Circulation. 2022;146:A12072
  3. Soares C et al. Invasive versus Echocardiographic Hemodynamics in the First Genetically Modified Porcine to Human Xenotransplant. Circulation. 2022;146:A10214
  4. Griffith BP et al. Genetically Modified Porcine-to-Human Cardiac Xenotransplantation. N Engl J Med 2022; doi: 10.1056/NEJMoa2201422. Online ahead of print


    Kommentare (0)

    Keine Kommentare gefunden!

    Neuen Kommentar schreiben