Autor: Redaktion transplant campus  - Datum: 14.04.2021

DSO-Jahresbericht 2020: COVID-19 hatte kaum Auswirkungen auf Organspende und Transplantation

Laut dem aktuell erschienenen Jahresbericht „Organspende und Transplantation in Deutschland 2020“ der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) blieb die Zahl der Organspender trotz der COVID-19-Pandemie fast unverändert.

Organspende und Transplantation während der COVID-19-Pandemie

Der Jahresbericht gibt Einsicht in das enorme Engagement des ärztlichen und pflegerischen Personals auf den Intensivstationen und zeigt in beeindruckender Weise, dass die Organspende unter dem Einfluss der COVID-19-Pandemie hierzulande relativ uneingeschränkt fortgeführt werden konnte, teilte die DSO mit. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen zum Teil prozentual zweistellige Einbrüche bei der postmortalen Organspende zu beobachten waren, blieb die Zahl der Organspender in Deutschland im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Im Jahr 2020 spendeten insgesamt 913 Menschen nach ihrem Tod 2.941 Organe – insgesamt waren es 19 Spender und 54 Organe weniger als im Jahr 2019.(1, 2)

Dass die Organspende in Deutschland ohne einen starken Einbruch fortgeführt werden konnte, hatte laut DSO vermutlich mehrere Gründe:

  • So war weiterhin ein unverändertes Engagement in den Entnahmekrankenhäusern für die Organspende festzustellen. Die Zahl der Fälle, in denen sich Krankenhäuser an die DSO wendeten, um die Möglichkeit einer Organspende zu besprechen, war im Jahr 2020 sogar gestiegen.
  • Durch politische flexible Reaktion der Krankenhäuser und passende politische Rahmenbedingungen konnte zudem eine breite Überforderung der Intensivstationen vermieden werden.
  • Zudem wurden frühzeitig mit allen beteiligten Institutionen Regelungen getroffen, um auch während der Pandemie die Sicherheit für die Empfänger im Organspendeprozess zu gewährleisten, so dass die Transplantationen nach postmortaler Organspende an allen Transplantationszentren fortgesetzt werden konnte. Im Gegensatz dazu wurde die Organtransplantation nach Lebendspende an einigen Zentren insbesondere zu Beginn der Pandemie zur Sicherheit auch der Lebendspender eingeschränkt.

Bislang konnte keine direkte Korrelation zwischen den Organspendezahlen und der Coronavirus-Pandemie festgestellt werden. In einigen Bundesländern, die besonders hohe Infektionszahlen aufwiesen, kam es dennoch zu einer Steigerung der Organspende. In anderen Bundesländern, die vergleichsweise niedrige Infektionszahlen aufwiesen, ging die Organspende hingegen zurück.

Grafiken im Jahresbericht zeigen die Entwicklung der Organspende im Verlauf mit der Entwicklung der Zahl der COVID-19-Patienten auf Intensivstationen. Statements aus dem Klinikbereich geben Einblicke, wie sich der Arbeitsalltag durch die Pandemie verändert hat und von welchen Auswirkungen Dialysepatienten besonders betroffen sind.

Weitere aktuelle Themen im DSO-Jahresbericht

Neben dem Sonderthema Organspende und Transplantation während der COVID-19-Pandemie zeigt der DSO-Jahresbericht weitere spannende Entwicklungen und Daten auf.

Richtlinie Spendererkennung der Bundesärztekammer: Im September 2020 trat die neue Richtlinie Spendererkennung der Bundesärztekammer in Kraft. Sie ist eine wichtige praxisorientierte Ergänzung zum Transplantationsgesetz. Die Richtlinie gibt vor, dass im Krankenhaus bereits zu dem Zeitpunkt, an dem der irreversible Hirnfunktionsausfall unmittelbar bevorsteht oder als bereits eingetreten vermutet wird, der Wunsch nach einer Organspende ermittelt werden soll. Im Jahresbericht wird der Ablauf der Spenderkennung anschaulich skizziert.

Qualitätssicherung – Zahlen zu schwerwiegenden Zwischenfällen (SAE) und schwerwiegenden unerwünschten Reaktionen (SAR) nach Transplantationen: Gemäß dem Transplantationsgesetz sind alle Beteiligten im Organspendeprozess verpflichtet, den Verdacht auf ein SAE bzw. SAR unverzüglich an die DSO als Koordinierungsstelle zu melden und alle vorhandenen Informationen zur Verfügung zu stellen. Das Ziel dabei ist, die Empfängersicherheit weiter zu verbessern. Der Jahresbericht gibt einen Überblick über die Meldungen von Verdachtsfällen und ihre Analyse im Jahr 2020.

Ergänzende Informationen zur Transplantation bei Kindern: Bei den Statistiken zu den Transplantationen der einzelnen Organe werden in diesem Bericht erstmals Angaben zu der Zahl der Kinder unter den neu auf die Warteliste aufgenommenen Patienten und zu deren Diagnosen ausgewiesen.

Hier finden Sie den DSO-Jahresbericht

Der Jahresbericht und die statistischen Grafiken des Berichts können auf der Webseite der DSO kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden: DSO-Jahresbericht 2020

Literatur:

  1. Deutsche Stiftung Organtransplantation. Organspende und Transplantation in Deutschland 2020
  2. Pressemitteilung der DSO vom 13.04.2021: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) veröffentlicht Jahresbericht 2020

Autor: Redaktion transplant campus

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